Welche Bedeutung hatte Zukunft in Zeiten des Mondkalenders v.u.Z.

Nach Jüdischer Zeitrechnung vor 5768 Jahren?


Ein Krieg wird gewonnen, ein Herrscher stirbt, ein Reich zerfällt. Der Rest war ewig: Berge, Tiere, das Meer, die Sterne. Heute trauen wir uns dagegen erstaunliche Aussagen: In 50 000 Jahren kommt eine neue Eiszeit. Kein Sternbild wird am Himmel wieder zu erkennen sein.

In 100 000 Jahren muss das Leben weitgehend neu beschrieben werden. In Milliarden Jahren erkaltet der Erdkern - es wird keine Vulkanausbrüche mehr geben. Es herrscht Abendrot den ganzen Tag, die Sonne bläht sich zum roten Riesen auf.


Wann, wo, wie war der Ursprung dieser Denkweise. Die Anfänge waren abenteuerlich. Das Orakel von Delphi war für phantasievolle Vorhersagen berühmt. Dabei hatte das Delirium der Weissagenden ganz irdische Gründe. Wissenschaftler der Aufklärung standen noch mit einem Fuß in der mystischen Vergangenheit. In der Sprache seiner Zeit, die zwischen Theologie, Naturwissenschaften und Philosophie wenig unterschied, wurde Sir Isaak Newton als Philosoph bezeichnet. Er berechnete ein Datum für den Untergang dieses Systems der Dinge. Seine wissenschaftliche Grundlage, bot die Prophetie in den Heiligen Schriften. Als Zeichen für das Ende der Welt erschien vielen Nationen eine totale Sonnenfinsternis.

     1000 Jahre später hat sich unser Blick gewandelt: Eine Mondfinsternis sollte Christoph Kolumbus das Leben retten. Mit deren Vorhersage gelang es ihm, feindlich gesinnte Eingeborene zu beeindrucken. Dabei kannten schon die Griechen die gemeinsame, einfache Erklärung für beide Phänomene. Das Zusammenspiel von Sonne und Mond können wir im Rahmen unserer eigenen Lebenszeit erforschen: Finden wir sie nach einem Jahr genau dort am Himmel, wie wir es berechnet haben, so stimmt die Theorie. Aber woher kennen wir den kompletten Lebenszyklus der Sterne? Wie will eine Stubenfliege in wenigen Wochen Lebenszeit das komplette Dasein des Menschen enträtseln? Und wie der Mensch in seiner Lebensspanne Prozesse über Milliarden Jahre verstehen? Ein kosmisches Puzzlespiel, eine Detektivarbeit - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Zukunft des Universums lässt sich nur durch einen Blick auf seinen Anfang verstehen. Doch mit der Urknall-Theorie tritt die Wissenschaft in Konkurrenz zu uralten religiösen Schöpfungsmythen. Und es gelingt noch nicht einmal, Gott als Auslöser des Urknalls versöhnlich zu integrieren. Denn mit dem Urknall kam auch erst die Zeit in die Welt. Und ohne Zeit keine Chance für Ursache und Wirkung. Die Zeit weist nur in eine Richtung: in die Zukunft.
     Ein Jahrhundert vor den Astronomen kam bereits Charles Darwin mit der Schöpfungsgeschichte in Konflikt. Seine Evolutionsgeschichte ist mittlerweile Schulwissen. Weniger bekannt ist dagegen, dass er damit auch als Erster das Tor zur Zukunft allen Lebens aufgestoßen hat: Unsere heutige Natur ist weder schon immer so gewesen noch das Endstadium einer Entwicklung - sie wird sich immer weiter verändern. Unsere Nachfahren könnten spannende Geschöpfe kennen lernen, die sich heute schon erahnen lassen.

Den Sonnen- und Mondfinsternistabellen mit 1000 Jahren Laufzeit steht unsere Unfähigkeit gegenüber, das Wetter nur für eine Woche zuverlässig vorherzusagen. Was wie ein Scheitern von Wissenschaft und Technik aussieht, entpuppt sich als ein Problem, das in der Natur selbst steckt. Sogar unser Planetensystem, scheinbar präzise wie ein Uhrwerk, könnte eines fernen Tages ins Chaos driften.

In einer Folge von "Terra X - Faszination Universum" berichtet Harald Lesch von der späten Entdeckung der Zukunft. Wir erleben, wie der Mensch durch den Blick in die Vergangenheit, die Welt entschlüsselt. Auch mit der Unwissenheit, ob morgen die Sonne scheint.

© 2013  Leopold Graf v. Lebertus & Prof.Walkhoefer

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    E R K E N N T N I S    IST  L E B E N S K U N S T

 

       Der bewusste Wunsch nach Liebe ist oft ein genutzter Weg, um ein fehlendes, tiefes, innerliches Ziel zu erreichen. Der gleichstarke Wunsch nach Unabhängigkeit ist das konträre Ziel. Genau dieser Aspekt ist als absolute Problematik anzusehen. Die vorherrschende Tendenz, das eine oder das andere Ziel zu verfolgen hängt sowohl von den äußeren Umständen, sowie von der individuellen Begabung, der emotionalen Struktur ab, welches dieser Ziele im Leben eines jeden von uns den Vorrang bekommt.

Wenn persönliche Unabhängigkeit, Freiheit durch gesichertes Wissen, anderen Menschen bewusst vorenthalten wird, als Vorteil eingesetzt, liegt es an der Lebenseinstellung, der Lebenskultur des einzelnen Menschen. Liebe als klares Ziel anzustreben erfordert einen intensiven, aufrichtigen, ehrlichen Kontakt zu sich selbst. Dann erst zu anderem im Kontext stehenden Dinge des Lebens.

Wohingegen das Bemühen, das Streben nach Unabhängigkeit, ein Lockern des Kontaktes bedeutet, und der Festigung der eigenen Position dient. Der Wunsch nach Anerkennung kann durchaus als normale Bestrebung eingeschätzt werden. Dabei ist es egal ob es sich um körperliche Kraft, Geschicklichkeit, oder um geistige Fähigkeiten, wie Reife und Weisheit handelt. Auch das Streben zur Realisierung einer Idee, Vision darf diese Einordnung finden. Dieses Streben entsteht aus intuitiver innerer Kraft zwischen Herz und Kopf. Sie ist eine aktiv lebendige Denkweise. Allein diese führt zum nützlichen Handeln. Damit wir die Ursachen und Wirkungen besser verstehen, ist geistiges Bewusstsein notwendig, um jede Unwissenheit, Isolation wirksam zu begegnen. Um uns diesen Zusammenhang erspüren zu lassen, brauchen wir eine Verfeinerung dieser Fähigkeit im Alltäglichen. Dieser wesentliche Teil ist von Unterscheidungsvermögen, wie uneingeschränkter Zeit abhängig. Mit diesem Respekt kann jeder dem Leben der beste Freund sein.

      Tatsache ist, es gibt Denkstrukturen, die auf eine Form von Würdigung schliessen lassen. Das auf mentaler Grundlage gewünschte Gefühl von Sicherheit erhält eine Art Anerkennung. Bleiben persönliche Ziele auf der Strecke, wie Befriedigung durch lobende Zuneigung, entwickeln sich Beweggründe von Bedrückung, oder Gefühle von Ungeborgenheit, Unsicherheit, Zweifel, Minderwertigkeit, sowie Angst. Diese Entstehung entwickelt sich massiv in der frühen Kindheit, tiefgründiger bereits während der Schwangerschaft. Diese Umstände veranlassen den Menschen, seine Lebensenergie zu verdrängen, zu unterdrücken. Der sinnerfüllende innerseelische Impuls gerät ins stoppen. Ein wesentlicher Faktor wird dann sehr deutlich. Durch geglaubt, gedachten nachvollziehbaren Versagens, durch oben genannte Denkformen, kommt von vornherein ein Gefühl der eigenen Fragwürdigkeit auf. Dieser innerliche Konflikt ist erheblich und kann selten geäußert werden, weil er anfänglich als eigener Widerstand gar nicht erkannt wird. Darunter leidet das Selbstbewusstsein und kann zu einer chronischen Verteidigungshaltung führen. Daraus resultiert eine überwertige Ich- Abgrenzung, welche zur Ökonomie des trotzigen Eigenwillens führt. Sie behindert die Möglichkeit der freien Selbstbestimmung, einer von Herzen stammenden Lebensenergie. Auf Dauer führt das zu einer unerträglichen Charakter- Panzerung. Diesem eigenen innerlichen Druck ausgesetzt, lässt sich unterdrückte Feindseligkeit, Hass, Wut, Aggression ableiten. Ohne Zweifel wird dadurch die mitmenschliche Verbundenheit beschränkt. Das Vermeiden dieser offenen Bezogenheit schafft Distanz. Ein ganz arteigener Ehrgeiz wird aktiviert, der als Kanal dienen soll, um weitere >>geglaubte Niederlagen<< zu verhindern, um sich zu schützen. Dieser erstrebenswerte Schutz dient der bekennenden wirklichen Hilflosigkeit. Diese ist ihrerseits ein Grundelement der Angst. Ein Sichabsichern wird vor das Erleben, den lebendigen Impulsen geschoben. Je nach Intellekt wird durch gekonnte Rationalisierung alles Unkontrollierbare abgeschirmt, versachlicht. Am besten wäre eine Tarnkappe wie im Märchen, um anonym am Leben anderer teilzunehmen. Dennoch gleichzeitig ins Leben anderer eingreifen zu können, ohne etwas von sich preisgeben zu müssen. Jeder von uns, kann diese Menschen lange kennen, ohne sie tatsächlich zu kennen. Haben wir heute zu ihnen einen geglaubten guten Kontakt, verhalten sie sich morgen so, als hätten sie uns nie gesehen. Je vertrauter der Kontakt, umso schroffer wenden sie sich plötzlich von uns ab, ohne Mitgefühl, mitunter sogar in feindseliger Verletzung. Jedes kleinste Zeichen von Hilflosigkeit oder gar Schwäche ihrerseits, soll jede Situation verhindern, die normal, durchaus gewöhnlich ist: z.B. etwa nach einen Weg zu fragen oder gar, sich diesen zeigen zu lassen. Einen einzigen Rat oder Hilfe anzunehmen, zeitweise irgendwie nachzugeben, einfach zuzustimmen entwickelt sich mit den Jahren als Realität. Doch sie haben sich an das Motto gewöhnt: stell mir keine Fragen, dann erzähl ich dir keine Lügen. Oft hat auch die Einstellung Vorherrschaft: es kann doch nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Diese an Perfektion grenzende Lebenseinstellung dient allein dem Ausweichen des wirklichen Lebens, und zunehmend isoliert er sich mehr und mehr. Seine Angst kontrolliert er besonders da, wo jemand ihm oder wo er jemandem nahe kommt. Zuneigung, Sympathie, Zärtlichkeit, Liebe lassen uns Menschen näher kommen. Doch das erlebt er als besonders gefährlich. Das erklärt uns, warum er in solchen Situationen abweisend wird, den anderen abrupt wegstößt.

      Durch zunehmende Lücken in der Erfahrung verstärkt sich mit den Jahren eine Unsicherheit. Ganz sicher wird der wirkliche innere Protest gegen Hilflosigkeit nicht ständig in seiner ganzen Intensität wirken. Er entwickelt sich kontinuierlich allmählich immer wieder stärker. Je mehr Hemmungen an einer konstruktiven Entwicklung gefühlt werden, somit in Wirklichkeit auch vorhanden sind, umso ängstlicher wird alles vermieden, was auch nur entfernt den Eindruck von Schwäche macht. Auch dient dieses Verhalten als Schutz gegen die Gefahr, sich selbst für unbedeutend zu halten, oder so angesehen zu werden. Ein starres und völlig irrationales Ideal veranlasst diesen Menschen zu glauben, dass Schwäche nicht nur Gefahr bedeutet, sondern auch eine persönliche Schande. Er selbst klassifiziert durch intelligente Vorurteile die Mitmenschen in >>Starke<< und >> Schwache <<. Seine Bewunderung liegt dabei zweifelsfrei bei den ersteren, unbewusste Verachtung für die letzteren. Die Betrachtungsweise für das Schwache geht ins Extreme. Er meidet mehr oder weniger den Kontakt mit Menschen, welche mit ihm übereinstimmen, oder auf seine Wünsche eingehen, weil diese selbst Hemmungen haben, ihre Gefühle nicht so beherrschen, und nicht wie er in allen Lebenssituationen ein gleichgültiges Gesicht machen können. Gleichzeitig verachtet er genau diese Eigenschaften in sich selbst. Er empfindet tiefste Verzweifelung beim Erkennen seines Charakters. Daher stammt ein Grossteil an Selbstmissachtung. Doch soll diese Tatsache vor jedermann geheim gehalten werden. Auch verachtet sich dieser Mensch in erster Linie durch die Erkenntnis, nicht allein damit fertig zu werden.

      Die besondere Form die sein Denken und Handeln annimmt hängt davon ab, welche Schwäche ganz konkret befürchtet und verdrängt werden soll. In dieser Weise können solche Empfindungen zu Aggressionen führen, welche sonst im Leben niemals ausgelebt wurden. Es entsteht Konkurrenz und Rivalität mit anderen, weil geglaubt wird, dass ihm das was er haben möchte, ihm wegnehmen wird. Gleich dem Grundsatz, wer wenig hat, dem wird das Wenige auch noch genommen werden. So werden andere zum Widerstand und als Störenfriede erlebt. Seine Aggressionen sind gar nichts anderes als ein Mittel zur Beseitigung dieses innerlichen Widerstandes, in der Verfolgung seiner angesteuerten Ziele. Dabei kann es sogar vorkommen, dass bereits jeder andere von vornherein als Rivale erlebt und zum Ziel von Aggressionen gemacht wird. Selten wissen diese Menschen genau, ob das was sie denken, fühlen oder tun - nur in ihnen selbst existiert oder auch in der äußeren Wirklichkeit. Man ist geneigt zu sagen, ihm fehlt eine Orientierungshilfe. Er schwankt in der Beurteilung seiner Erlebnisse und Eindrücke zwischen Zweifel, ob er sie als Wirklichkeit hinausverlegen kann oder ob sie nur seine Einbildung sind: Schaut mich der andere wirklich so spöttisch an, oder bilde ich mir das ein? Recht komisch hat sich der Chef mir gegenüber heute verhalten- hat er etwas gegen mich, war er anders als sonst- oder meine ich das nur? Stimmt etwas nicht an mir, dass die Leute mich so komisch ansehen? Von diesem immer wachen Misstrauen der Eigenbezüglichkeit kann man sich leicht vorstellen, wie quälend und zutiefst beunruhigend es doch sein muss, wenn sich daraus ein Dauerzustand entwickelt.

      Aus diesem Gefühl der Unsicherheit heraus potenziert sich Misstrauen, dieses ist Ursache, wie auch Folge für sein stark entwickeltes intellektuelles Bewusstsein. So wird eine von den Gefühlen abgelöste Erlebniswelt produziert. Die Resultate seines Denkens sollen so seinen Erwartungen entsprechen, auf die allein er sich genau verlassen will. Sie wenden sich unaufhörlich seiner exakten Logik zu, die eine Abwendung vom subjektiven, ideellen Erleben ermöglichen soll.

      Durch die Bereitschaft, den festen Willen, die Fähigkeit, sich selbst geeignet zu bewerten oder dies zumindest zu versuchen, kann eine neue Lebensweise durch Erkenntnis entwickelt werden. Dann gelingt es viel besser die ständig fließenden Lebenssituationen, wie aus einer Vogelperspektive zu beleuchten. Erst dadurch wird es möglich, größere Zusammenhänge zu erblicken. Vor allem wird die eigene Positionierung, sich zum Zentrum aller Dinge gemacht zu haben erkannt. Alte Verstrickungen bedeuten ein Steckenbleiben, und führen zu weiterer Schwächung. Die häufigsten Schwächungen entstehen durch verzerrte Übertreibungen, wie: das ist unerträglich, entsetzlich, grauenhaft, verletzend, furchtbar, peinlich, will ich gar nicht usw.. In den seltensten Fällen geht es nämlich um Sein oder Nichtsein. Wenn der Maßstab von Betrachtungen nur durch den eigenen Blickwinkel erfolgt, enthält er grundsätzlich manifeste Übertreibungen. Dementsprechend werden unsere Gefühle beeinflusst. Es entstehen starke Wut- oder Grollgefühle, welche nicht in der realen Situation wurzeln; denn sie sind Folge eigener übertriebener Bewertung. Auch hier kann es letztlich nur einen Weg geben.

      Sie basiert auf einer analytischen Untersuchung von verwirrenden Faktoren chronischer Schmerzen, zwischenmenschlicher Beziehungen, Ängsten, Schuldgefühlen, Essstörungen, wie auch Erinnerungs-Schwierigkeiten. Besonders schwerwiegend ist dabei die geistige Unbewusstheit. Es gibt Menschen, sie sind in ihren Kommentaren immer zurückhaltend, weil sie Angst haben, sie würden sich vielleicht nicht richtig ausdrücken können. Erst im vertraulichen Gespräch können sie diese Hemmnisse zum Ausdruck bringen. Z.B.: wenn ich etwas Verkehrtes sage, dann bekommen die anderen ein falsches Bild von mir. Deshalb behalte ich meine Gedanken für mich! Ein besinnliches Nachdenken kann zu einer neuen Erkenntnis führen. Doch auch davor fürchten sie sich. Sie wollen lieber ihren Charakter verbergen. Diese unrealistischen Sichtweisen zeigen sich wie folgt hinter den Sätzen: so darf sie/er auf keinen Fall mit mir umgehen. Sie/er sollte mich nicht blamieren. Sie/er darf mich nicht frustrieren. Sie/er muss mich doch verstehen... Bei aufmerksamer Betrachtung sind genau in diesen Sätzen absolute Forderungen erkennbar. Besonders deutlich identifizieren wir dies durch Worte wie, muss- sollte- darf nicht. Der innerliche Druck wird zusätzlich noch dadurch verstärkt, dass sich der Betreffende einer Situation ausgeliefert fühlt, denn seine Gedanken sind voller Vorurteile - unfrei. Tatsächlich ist niemand davor sicher, gekränkt zu werden. Viel erholsamer ist der Gedanke: es ist nicht angenehm gekränkt zu werden, doch ob ich gekränkt bin, liegt in meiner alleinigen Entscheidung. Denn wer mich beleidigen kann, entscheide ich selbst für mich. Letztendlich wirkt diese realistische Sichtweise befreiend, und das Gefühl von Manipulation oder empfundener Zwang von Außen kann abgelegt werden. Je besser dies gelingt, umso leichter sind Entscheidungen in einer bestimmten Lebenssituation möglich, die zu einer späteren Zeit selbstverständlich korrigiert werden können. Dabei sollten möglichst viele Kanäle zur Entscheidungsfindung zusammengetragen werden, um zu verhindern, dass sich einsame Pläne als Lebensziel manifestieren. Wo es kein vertrautes Gespräch gibt, scheitern alle Pläne. Häufig finden sich nämlich gerade im Gegenüber die eigenen recht ungeliebten Anteile. Diese können dann konstruktiv aktiviert werden.

G R U N D E N E R G I E N

Die Bauchenergie:

 

Sie umfasst alle diejenigen vitalen, >> instinktiven<< Impulse, die unser >>Territorium<< behaupten helfen.

 

Die Herzenergie:

 

Sie umfasst diejenigen emotionalen Qualitäten, die Beziehungen zu anderen Menschen stiften und mit anderen in Beziehung kommen. Im weitesten Sinne, also Liebe.

 

Die Kopfenergie

 

Sie umfasst alle Wahrnehmung- und Denkfunktionen die benötigt werden, um orientiert und sicher zu sein.

 

Das Bedürfnis nach Autonomie:

 

Ein klares Ich- Gefühl zu haben. Sich zu behaupten, sich durchzusetzen. Sich gegen Übergriffe auf das eigene >>Territorium<< zu wehren. Vitale Impulse verspüren und leben zu wollen, hineinzulassen, ohne Abwehr. Mit instinktiven Impulsen >>aus dem Bauch << spontan auf äußere Situationen gut antworten. Hier findet sich die Beantwortung der Frage, wer bin ich?

 

Das Bedürfnis nach Beziehung:

 

Sich geliebt fühlen und lieben. Freundschaft, Fürsorge, Mitmenschlichkeit pflegen. Gegenseitiges Verstehen und Vertrauen >>gute Kommunikation<< sind erforderlich. Dieses Herzensbedürfnis stellt die Frage, mit wem bin ich wie in Beziehung?

 

Das Bedürfnis nach Sicherheit:

 

Sich sicher fühlen, dort wo man ist. Sich auskennen, die Dinge in ihrer Gesamtheit vernünftig zu überblicken. Klarheit und Ehrlichkeit sind notwendig, wie auch ein wacher Sinn, um >>Witterung << aufzunehmen. Die zu beantwortende Frage, wo bin ich hier eigentlich?

 

N O T B E R E I C H E  

 

Wenn sich in einem dieser drei zentralen Bereiche eine existentielle Blockade entwickelt, hat sich so etwas wie eine unbewusste >>Überzeugung<< festgesetzt, eine Grundannahme, >>wie die Menschen, (wie die Welt) ist<<. Die Autonomie ist nicht selbstverständlich garantiert und bewirkt ein Grundproblem. Es hat mit Macht, Kontrolle und Zorn zu tun.

 

Die Schlagseite beim Bedürfnis nach Beziehung hat mit Selbstwertgefühl, Angst vor Ablehnung und Zurückweisung, Schmerz, Zweifel- Verzweiflung, Kummer, Betrübnis, Gram, Leid, Trübsinn und Trauer zu tun.

 

Die Schwierigkeit beim Bedürfnis nach Sicherheit entsteht durch Angstzustände, Grausen, Entsetzen, Befürchtungen, Hilflosigkeit, Unruhe, Verwirrung, Unsicherheit und Misstrauen, sowie durch fehlendes Selbstvertrauen.

 

Für jeden dieser drei >> Notbereiche<< gibt es Strategien. Die Grundenergie wird jeweils in seiner spezifischen Ausformung:

 

A - Blockiert

 

B - Überentwickelt

 

C - Umfunktioniert

 

Blockierte Bauchenergie

 

Friedfertigkeit, passive Aggression, eigene Autonomie- Impulse (Gegensatz von Abhängigkeit) werden kaum wahrgenommen

 

Überentwickelte Bauchenergie

     

Power, Streitlust, Kampfbereitschaft

 

Umfunktionierte Bauchenergie

 

Perfektionismus, zorniges Ich, ausgeprägtes >> Richtig/ Falsch- Denken<<

 

Blockierte Herzenergie

 

Unbewusst an der eigenen Wirkung auf andere interessiert. >>Leistung hat einen enormen Stellenwert<<

 

Überentwickelte Herzenergie

 

Hilfsbereit und fürsorglich, stark um das Wohlergehen anderer bemüht

 

Umfunktionierte Herzenergie

 

Melancholisch, sehr viel mit sich selbst beschäftigt

 

Blockierte Kopfenergie

 

Zweifelnd, misstrauisch, unsicher, Angstbewältigung durch Gehorsam oder Rebellion

 

Überentwickelte Kopfenergie

 

Scharf beobachtend, analytischer Verstand, distanzierter- Rückzug ins Wissen

 

Umfunktionierte Kopfenergie

 

Assoziatives Denken, viele Visionen zum Zweck positiver Selbststimulierung.

 

Fallbeispiel

 

      Stellen wir uns einen Menschen vor, der auf alle Lebenssituationen bezogen, jedes Grundbedürfnisse bewusst wahrnehmen kann. Er verfügt über alle seine psychischen Kräfte, um das jeweilige Grundbedürfnis zu befriedigen. Dieser Mensch könnte nachdrücklich aus dem Bauch heraus NEIN oder JA sagen. Er würde sich eindeutig verhalten, und ein vollkommenes ICH präsentieren. Er hätte einen klaren Kopf, und könnte den Überblick behalten. Er könnte sich ganz schnell entscheiden, ob es sinnvoll ist zu kämpfen, zu fliehen oder zu verhandeln. Er würde unkompliziert mit offenen Herzen auf andere Menschen zugehen und in liebevoller Beziehung zu ihnen stehen, ohne eigene oder fremde Grenzen zu verletzen. Die drei Grundbedürfnisse mit den dazugehörigen Grundenergien wären in einer Art Harmonie, die als ein Fließgleichgewicht ausbalanciert wären. Das ist jedoch Utopie! Denn durch den freien Willen, unseren Entscheidungen herrscht eine Konfliktspannung. Die Bauchenergie steht in einem gewissen Gegensatz zu den beiden anderen Bedürfnissen. Das Bedürfnis nach Sicherheit (Kopfenergie) verträgt sich selten automatisch mit den Bedürfnissen nach Herzensbindung (Verletztheit der Gefühle) und nach vitaler Selbstbehauptung, die ja aus dem Bauch kommt. Unweigerlich geraten Herzenswünsche in ein Spannungsfeld zu den Autonomiebedürfnissen des Bauches und den Orientierungsbedürfnissen des Kopfes.

     

      Im Zuge der ICH- Werdung entwickelt sich in einem der drei zentralen Bereiche eine existentielle Not. Der emotionale Hintergrund, der Nährboden eines Charakters für den Wahrnehmungs-, Denk-, Fühl- und Verhaltensstil bilden sozusagen seine Leidenschaften. Im Normalfall werden sie nicht bewusst wahrgenommen. Es handelt sich um emotional gefärbte Haltungen dem Leben gegenüber. Prinzipiell sind sie dennoch der Selbstwahrnehmung zugänglich und nicht verschlossen. Zu beleuchten ist die Art und Weise, wie im engen, inneren Zusammenhang die Aufmerksamkeit eines Menschen organisiert ist. Das bedeutet, auf welche Themen, auf welche speziellen Aspekte der Umwelt und der eigenen Innenwelt springt die Aufmerksamkeit >> automatisch<< an.? Emotionale Grundmuster oder unsere Leidenschaften sorgen dafür, dass unsere Aufmerksamkeiten >>unfreiwillig<< von Dingen angezogen werden und andere hingegen ebenso unfreiwillig ausgeblendet werden.

 

      Folgendes Phänomen ist bekannt: Man macht eine Neuanschaffung. Sagen wir ein neues Fahrrad mit Narbendynamo. Plötzlich sehen wir überall in der Stadt, Fahrräder mit Narbendynamo. Oder: Sie sind verliebt, selbst dann bringt ein Regentag irgendwie seinen Zauber mit sich. Gesteuert von einer emotional gefärbten Haltung dem Leben gegenüber, pickt sich die Aufmerksamkeit aus der Umgebung gewisse Dinge heraus und gibt eine ganz bestimmte Tönung. Unbewusste, chronisch gewordene Leidenschaften beschreiben emotionale Haltungen deutlich in ihren Auswirkungen. Ständig lösen auf unser Bewusstsein verschiedene Erscheinungen der Umwelt Reize aus. Das Bewusstsein ist nur etwa zu 20% imstande, alle Dinge gleichzeitig mit der eigentlich erforderlichen Klarheit zu erfassen. Vieles wird ganz klar bewusst, manches gelangt nicht völlig ins Bewusstsein, es bleibt verschoben. Einiges findet überhaupt keine Bemerkung. Von all den zahllosen Einflüssen, sondern wir jene heraus, die uns von Interesse sind, unseren Bedürfnissen entsprechen und Zielen entgegenkommen. Ein jedes Tun verlangt von dem, der es tut, dass er irgendein Objekt heraussondert und sich darauf konzentriert. Es ist eingerichtet sein und die Konzentration des Bewusstseins auf eine Sache, wobei alles Übrige unbeachtet bleibt. Darin äußert sich der selektive Charakter der Aufmerksamkeit. Die Basis dafür ist immer der eigene Orientierungsreflex- eine Reaktion auf alles Neue, Unerwartete oder Unbekannte.

     

      Aufmerksamkeit allein ist keine konkrete Wahrnehmung, wie Nachdenken über etwas, oder einfach nur zu phantasieren. Sie ist eine ganz besondere Form psychischer Aktivität. Sie ist Voraussetzung für jegliche produktive Tätigkeit. Wenn z.B. Zielstrebigkeit stark ausgeprägt ist, eine klare, zweifelsfreie Lebenseinstellung mit konstanten Interessen bestehen, entwickelt sich in der Großhirnrinde ein Zentrum mit optimaler Erregbarkeit. Sie wird als Dominante bezeichnet. Dieses Zentrum dominiert gegenüber den anderen Erregungszentren, indem es sie unterdrückt, sie hemmt, um sich selbst durch erhöhte Beständigkeit zu verstärken. Ist es zu einer Gewohnheit geworden, stets aufmerksam zu sein, verfügt dieser Mensch über ein enormes Aufmerksamkeitsvermögen, und kann seine Umwelt exakt besser wahrnehmen. Dieses Aufmerksamkeitsvermögen ist von anderen Charaktereigenschaften jedoch nicht zu trennen. Es äußert sich als moralischer Zug eines Charakters. Gegenüber anderen Menschen bewirkt es Feinfühligkeit, Takt und Anteilnahme. Da geht jemand achtlos am Unglück, ja am Leid des anderen vorbei, merkt nichts, wird nicht aufmerksam darauf, dass der andere Hilfe benötigt. Aus dieser Gewohnheit entwickelt sich ein teilnahmsloser Egoist. Denn die geistige Haltung, die Lebensauffassung und Überzeugungen entscheiden darüber, was ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelangt. Sie bestimmt und gibt Aufschluss über Motive für die Richtung- und Konzentration einer Handlung. Zwei Arten der Aufmerksamkeit sind zu unterscheiden:

 

1.    DIE unwillkürliche Aufmerksamkeit, die ohne jegliche Absicht, ohne bestimmte Zielsetzung zustande kommt, die keine Willensanstrengung erfordert. Sie entsteht als Folge äu0erer Ursachen. Besonderheiten welche bestimmte Reize in uns auslösen:

 

-     Stärke und das unerwartete Auftreten des Reizes

-     Neuheit, Ungewöhnlichkeit, Kontrastwirkung des Reizes

-     Beginn + Unterbrechung der Einwirkung des Reizes

 

Entscheidend ist, ob die innere Verfassung, je nach der Stimmung, den Gefühlen, Bedürfnissen und Interessen, diesen Reizen entsprechen. Von unwillkürlicher Aufmerksamkeit darf gesprochen werden, wenn die Dynamik aller Strebungen sich unmittelbar, ohne dazwischenschalten der Bewusstheit auswirkt. In einer Einstellung der Sinnesorgane auf das, was im Horizont des Bemerkens steht, und auch dort erwartet wird. Diese Art von Aufmerksamkeit gehört der Form des noch vor dem feststellenden Bewusstseins an und manifestiert sich als Kernbereich. Sie ist stets reizgebunden. Sie ist antriebsgebunden von jeder Situation, und wird immer dynamischer, je größer der Aufforderungscharakter einer Situation wird.

 

2. DIE willkürliche Aufmerksamkeit, die mit einer bewussten Absicht, einer ganz bestimmten Zielsetzung zustande kommt, und die ganze Willensanstrengung erfordert:

 

-     Pflichtbewusstsein beim Ausüben einer übernommenen Aufgabe

-     Genaues verstehen, bis zum Korrigieren einer Aufgabe

-     Die schrittweise Entwicklung indirekter Interessen

 

Konzentration liegt dann gewöhnlich vor; wenn über längere Zeit die zielgerichtete Aufmerksamkeit ununterbrochen bleibt, unter dem Kommando des Willens. Das kann schon bedeuten, dass sich die willkürliche Aufmerksamkeit bereits vor einer klaren Sacherfassung eines Erlebnisses manifestiert. Doch besteht immer die Möglichkeit, die Auswahl von Reizen mitzusteuern. Unser unterbewusstes Denken sortiert vielfach schneller ankommende Reize nach innerlich bestimmten Kriterien. Wahrnehmen ist eine Aktion unseres Verhaltens. Es ist ein vollkommen aktives Geschehen. Ständig treffen wir eine Auswahl, welche Informationen wichtig sind. Dies bleibt jedoch immer nur ein kleiner Teil dessen, was wirklich in und um uns herum vorgeht. Welcher Anteil eigenen Erlebens bleibt im Bewusstsein? Diese Auswahl geschieht im Wesentlichen unbewusst und ist fixiert auf:

 

A - Momentane Bedürfnisse

 

B - Gewohnheiten die wir in bestimmten Situationen entwickelt haben

 

C - Intensive und frühkindliche Lernerfahrungen

 

Zu A  Es gibt den wissenschaftlichen Erweis, dass unsere momentanen Bedürfnisse das       Wahrnehmungsvermögen entscheidend beeinflussen. Zum Beispiel achten wir mit dem       Wunsch Schuhe zu kaufen, auf Schuhgeschäfte oder Boutiquen, im Vergleich zu einem hungrigen Bedürfnis, wo uns Restaurants oder Lebensmittelgeschäfte regelrecht ins Auge fallen.

 

Zu B  Wenn wir die Uhrzeit ablesen, beachten wir kaum noch die Ziffern, Striche. Oder wir       sind freudiger Erwartung, dann sehen wir plötzlich ständig Schwangere. Beim Autofahren achten wir auf Bewegungen am Rande der Strasse, ohne uns dessen voll   bewusst zu sein. Dagegen, wenn wir ein Kinofilm schauen, sehen wir vor allem den Film. Die Umgebung wird vernachlässigt, kaum beachtet.

 

Zu C  Botschaften die wir als Kinder vermittelt bekamen, waren wie heute widersprüchlich.  Im Lauf des Lebens haben wir gelernt, sie gegeneinander abzuwägen. Wenn wir die Mutter fragten, was ist los, was hast du: - alles ist gut mein Kind - antwortet und dabei den Tränen nahe steht - welche der beiden Botschaften vertrauen wir? Was wir sahen       oder was wir hörten? Diese und ähnliche Erfahrungen werden im    späteren Leben relevant. In schwierigen und auch kritischen Lebenssituationen, wird in diesem    Kontext nämlich auf das Sehende vertraut, als zu glauben was man hört. Ein Mann der so aufwuchs, wird durch eine Liebeserklärung von seiner Frau enttäuscht sein, wenn sie es ihm nicht augenscheinlich zeigt, und er es `nur´ von ihr hört. Dieser Mann wird oft nach sichtbaren Anzeichen ihrer Liebe zu ihm suchen - wenn sie dies nicht erkennt,     sind ungeahnte Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Verhaltenstechniken zur eigenen Identifizierung

      VORTEIL Ein Konflikt wird in einer bestimmten Entwicklungsphase unbefriedigend durchlebt. Das Gewissen [geistige Gesetz] prägt moralisch- ethische Werte, welche Sicherheit geben, um die Angst vor Auseinandersetzungen zu ersparen.

      NACHTEIL Das Gewissen wird zum inneren Tyrannen. Der Mensch wird zum Sklaven eigener moralischer Wertevorstellungen und dadurch unfrei. Durch die Identifizierung mit Autoritäten wird die Unterdrückung nach dem selten bewussten Prinzip weitergegeben: was man mir antut, das füge ich auch einen anderen zu (sogar noch stärker). Dadurch wird die Unterdrückung selbst, samt ihrer Folgen weitergegeben, statt andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.

V E R D R Ä N G U N G

      VORTEIL Unerfüllte Wünsche nebst unangenehmen Vorstellungen, werden aus dem Bewusstsein verdrängt, um zeitgleich Ruhe zu haben. Eine momentane Entlastung ist denkbar.

      NACHTEIL Zur Aufrechterhaltung wird sehr viel Kopfenergie verbraucht, die gleichzeitig zu einer Bremse der Lebensenergie führt. Die Verdrängung bleibt ein vorübergehendes Aufschieben des eigentlichen Problems. Wird sie permanent aufrechterhalten, ist die Gesundheit gefährdet.

P R O J E K T I O N

      VORTEIL Für den Balken im eigenen Auge ist man blind. Den Splitter im Auge des anderen kann man kritisieren. Zur Außenwelt bekämpft man zwar die eigenen Fehler heftig, ohne sich jedoch weh zu tun.

      NACHTEIL Persönlichkeitsreifung wird durch Projektion stark gemindert. Fehlende Selbsterkenntnis verhindert eine klare Wahrnehmung der Außenwelt und bewirken fortgesetzt Handlungsfehler. Der Projizierende hat meistens keine Einsicht in seine Abwehrmechanismen.

S Y M P T O M B I L DU N G

      VORTEIL Aggressionen wenden sich letztlich gegen einen selbst und bilden Symptome, was zunächst auch kein Vorteil zu sein scheint. Doch subjektiv bestehen sie in der Beschädigung des eigenen Lebens, man will lieber die peinlichen Kränkungen umgehen. Die Anderen sollen auf die eigenen Leiden aufmerksam gemacht werden, ohne darüber zu sprechen.

      NACHTEIL Symptome werden rasch chronisch, weil viele Menschen den Weg zum Psychiater meiden. Ein langsamer Selbstmord in Raten.

V E R S C H I E B U N G

      VORTEIL Verschiebung, eine gesündere Abwehrtechnik als die Symptombildung. Weil die eigentliche Abreaktion nicht am eigenen Körper passiert, sondern sich auf Ersatzobjekte verschiebt.

      NACHTEIL Der Abreagierer fühlt sich vorübergehend entlastet, doch das Ersatzobjekt leidet unter dem Missbrauch. Dadurch ist mit zwischenmenschlichen Auswirkungen als negativer Kreislauf zu rechnen, weil der Missbrauch als Bumerang zu einem späteren Zeitpunkt aktiv werden kann.

S U B L I M I E R U N G

      VORTEIL Der Mensch erreicht eine Entlastung. In Freizeitaktivitäten wird die tatsächliche Aggression abreagiert. Doch der eigentliche Impuls der nicht direkt ausgelebt wird, findet seine Ersatzbefriedigung an anderen Objekten, die oft sogar sozial gefördert, und als wertvoll bezeichnet werden.

      NACHTEIL Das Versäumnis die wahren Gründen der Aggression plausibel zu machen. Der echte Auslöser bleibt somit ständig wirksam. Sogar das Sexualverlangen kann sublimiert werden, lassen sich jedoch nicht beseitigen und durch andere Befriedigungen auf Dauer ersetzen. Ersatzbefriedigungen führen zu unbewusster Frustration, manchmal bis zur Erschöpfung. Auf diese Weise wird Lebensenergie verbraucht, die zu einer natürlichen Entfaltung dann fehlt. Ein erschöpfter Mensch ist bedeutend erlebnisunfähiger als ein ausgeruhter.

R E A K T I O N S B I L D U N G

      VORTEIL Das Bewusstsein lügt und spielt der Außenwelt eine Komödie. Z.B. Freundlichkeit statt Richtigstellung wahrer Empfindungen, oder kühle Sachlichkeit an Stelle emotionaler Anteilnahme. Diese Arten von Reaktionen dienen zur Verleumdung wahrer innerer Beweggründe. Angstvermeidung als diplomatische Form durch Täuschung der Mitmenschen.

      NACHTEIL Eine ehrliche und offene Klärung von Zusammenhängen wird verhindert. Wenn ein Mensch sich in der Reaktionsbildung trainiert, sie ständig im Leben anwendet, wird er zum Lügner. Immer tiefer ziehen ihn seine Lebenslügen in die Spirale der Selbst- und Fremdtäuschung.

V E R M E I D U N G

      VORTEIL   Was ich unterlasse, kann sich nicht negativ gegen mich auswirken. Eine mögliche Zuflucht vor Frustration wird gesucht. Gedanken, Gefühle und Handlungen betreffen diesen Vorgang. Die Selbstanforderung wird auf Sparflamme gehalten. Eine Distanz zur Realität birgt eine Zuschauerrolle in sich.

      NACHTEIL Diese echte Leistungsvermeidung, nach dem Motto: wenn ich wollte könnte ich... führt zu Problemen, die spätestens in einer Partnerschaft zum Ausdruck kommen, und diese scheitern lässt. Eine aktive Auseinandersetzung mit dem Leben, und damit die Gefahr von Frustration soll vermieden werden. Die Persönlichkeitsreifung wird in ihrer Entwicklung verhindert.

R A T I O N A L I S I E R U N G

      VORTEIL Sie ist keine Intellektualisierung auf Kosten des Gefühllebens, also keine emotionale Orientierung. Scheinbar vernünftige Gründe werden vorgeschoben, um ein wahres Motiv zu verdunkeln. Rationalisierung bleibt immer der Versuch zur Rechfertigung und Verteidigung; wenn Kritik aufkommt.

      NACHTEIL Die notwendig- sachlich- konstruktive Klärung des Problems wird ganz bewusst verhindert. Durch die selbst geworfenen Steine auf den Weg des Lebens, wird der Weg selbstverständlich schwer gemacht. Unwahre Gründe dienen der Abwehr von Angst, doch die wahren Beweggründe bleiben bestehen.

A B S C H I E R M U N G

      VORTEIL Sie erfolgt vor psychischen, depressiven Belastungen und erreicht kurzfristig Entlastung vor auftretenden Ängsten, nervöser Unruhe und Verstimmungen. Unbefangenheit, vorübergehende Ruhe können zeitweilig wohltuend sein.

      NACHTEIL Die wahren psychischen Schwierigkeiten werden in ihrer Ursache nicht beseitigt. Der tatsächliche Protest des Körpers und Geistes wird mit einer warmen Decke verhüllt, jedoch schlummert der Protest weiter und ruft nach Verarbeitung.

O H N M A C H T S T S E R K L Ä R U N G

      VORTEIL Das ist die Realität, da kann man nichts machen, ist eine Standardredewendung vieler Menschen. Auf diese Weise wird ein Problem erklärt. Durch dieses Waschen der Hände in eigener Unschuld wird das Gewissen beruhigt.

      NACHTEIL Aus der Erlebniswelt sind die echten psychischen Probleme nicht. Sie werden weiterhin stark aktiv und breiten sich im Unterbewusstsein viel stärker aus. Manipulierbarkeit und Fremdbestimmung nehmen zu.

R O L L E N S P I E L

      VORTEIL Im Kontakt mit den Mitmenschen verschafft es oft eine gewisse Sicherheit. Dieses Bedürfnis nach Sicherheit ist oftmals stärker ausgeprägt als das früh blockierte Bedürfnis nach freier Entfaltung einer individuellen Persönlichkeitsstruktur.

      NACHTEIL Häufig wird die gespielte Rolle zur eigenen Zwangsjacke. Wenn diese in Fleisch und Blut übergeht, ist sich der Mensch in seiner tatsächlich freien Handlungsweise selbst beraubt. Es entwickelt sich eine Unfähigkeit, hinter der gut trainierten Rolle ( oft seit Kindesalter ) den wahren Kern innerer Antriebmotivationen wieder zu finden.

G E F Ü H L S P A N Z E R U N G

      VORTEIL Nach außen wird eine emotionslose, sachliche, vernünftige Maske zur Schau gestellt. Die Gefühlspanzerung will keine Gefühle heraus- oder hineinlassen. Sie ist das Ideal der heutigen Zeit geworden, in der sich der Mensch an Perfektion orientiert. Das stärkste Gefühl für Liebe ist erkaltet.

      NACHTEIL Wer seine Emotionen ausklammert, verliert seine Lebendigkeit. Jeder zwischenmenschliche Kontakt verarmt. Alle unterdrückten Gefühlsregungen legen sich auf die Organe und Muskeln und Nerven. Wer nicht mehr emotional sein will, wird körperlich und psychisch krank. Wer, aus welchen Gründen auch immer, Hilfe ablehnt bleibt stecken, verbittert, hinterlistig und wird durch Bosheit zum Intrigant.

R E A K T I O N S W E L T E N

 

      Zorn: Diese Menschen sind sich nicht unbedingt bewusst, dass sie untergründig zornig sind. Sie erleben den Zorn oft weniger als Gefühl im Bauch - eher als zornige Gedanken. Der Denkstil bewegt sich in Kategorien von richtig / falsch oder gut/ schlecht (beurteilender Verstand) Die Aufmerksamkeit ist so organisiert, dass automatisch all das ins Auge springt, was irgendwie fehlerhaft zu sein scheint, oder auch tatsächlich ist.

 

      Stolz: Diese Menschen sind stolz auf ihren Einsatz für andere, ihre Hilfsbereitschaft bis zur Fürsorge - ich weiß was für dich gut ist. Sie erleben sich ziemlich unabhängig von der Hilfe anderer. Dem Erleben zugänglich wird der Stolz am ehesten dann, wenn er verletzt wird, also dann; wenn ein Bedürftiger die Fürsorge ablehnt oder undankbar ist. Die Aufmerksamkeit ist stets nach außen gerichtet, um sich automatisch auf die Bedürfnisse + Bedürftigkeit eines anderen einzustellen.

 

      Täuschung: Diesen Menschen geht es ganz unbewusst in erster Linie darum, vor anderen prima dazustehen. Mit ihrem positiven Image können sie so sehr identifiziert sein, dass der Kontakt zu den eigenen Gefühlen verlustig geht. Darin liegt die Täuschung, dass sie die erwünschte Außenwirkung für die wahre eigene Identität halten. Die Aufmerksamkeit geht nach außen und tastet die Umgebung nach Hinweisen ab, wo und wie Anerkennung zu erlangen ist, um die Selbstdarstellung den momentanen Gegebenheiten anzupassen.

 

      Neid: Diese Menschen sind gern, recht häufig mit ihren Stimmungen beschäftigt. Diffus erleben sie, dass ihnen zum Glücklichsein etwas fehlt. Aus diesem innigen Mangelgefühl heraus, erleben sie andere Menschen oft automatisch, als glücklicher, ausgeglichener, gesünder ... Die Aufmerksamkeit schwindet gern von der Gegenwart weg - hin zu idealisierten Menschen, zu Erinnerungen an besonders schmerzliche oder glückliche Momente des Lebens. Demgegenüber erscheint die >>gewöhnliche<< Gegenwart >>spontan<< als minderwertig.

 

      Geiz: Diesem Menschen kann man auch Habsucht als emotionalen Grundstil zuschreiben. Es ist als eine Art ICH- Geiz zu verstehen. Sie tun sich oft schwer mit persönlichen Mitteilungen und wirken dadurch leicht als unnahbar. In emotional dichten Situationen steigt die Aufmerksamkeit automatisch aus. Dann friert sie sich in einer innerlich distanziert- neutralen, objektiv- emotionslosen Beobachterposition ein.

 

      Zweifel: Diese Menschen sind in einer latent misstrauischen Grundstimmung. Dessen sind sie sich oft nicht unbedingt bewusst. Eher wird der zweifelnde Denkstil bewusst. Einerseits / andererseits - ja, aber. Die spontane automatisierte Bereitschaft, jemanden oder etwas anzuzweifeln wird augenscheinlich. Die Aufmerksamkeit ist stets darauf gerichtet, nach verborgenen Absichten oder Motiven anderer zu suchen.

 

      Gier: Diese Menschen lenken ihre Aufmerksamkeit gewohnheitsmäßig, doch unfreiwillig von Situationen weg, die ihnen als unangenehm erscheinen könnten. Sie beschäftigen sich gedanklich mit positiven Plänen und Visionen. Es ist nicht unbedingt auf dem ersten Blick erkennbar, dass sie das gewissermaßen so tun müssen + innerlich von dieser optimistischen, positiven Selbststimulation und der Verwirklichung ihrer kleinen und großen Pläne abhängig sind. Gier kann auch in diesem Sinn als Unersättlichkeit verstanden werden.

 

      Lust: Dieser Mensch richtet seine Aufmerksamkeit unwillkürlich darauf, herauszufinden, wer als Freund oder Feind einzuschätzen ist. Er ist völlig mit Bauchenergie aufgeladen. Aggression hat hier die Funktion, überschüssige Energie zu verbrennen. Die Aufmerksamkeit funktioniert nach dem Prinzip alles oder nichts / schwarz oder weiß.

 

      Trägheit: Diese Menschen leben eine Art ICH- Vergessenheit. Die Fähigkeit ICH oder ICH WILL... zu fühlen und auch sich mitzuteilen, ja zu sagen, ist mehr oder weniger stark blockiert. Das hat eine enorme rezeptive > passiv aufnehmende < Aufmerksamkeitsorganisation zur Folge. Unfreiwillig gleitet sie wenig zielgerichtet von einem Wahrnehmungszustand zum nächsten. Fast alles erscheint gleich (un) wichtig. Vordergrund und Hintergrund sind ziemlich ineinander verschwommen, auch in der inneren Selbstwahrnehmung.

 

Weiteres zum Z O R N

      Verschiedene hebräische und griechische Wörter sind bekannt, um Zorn anzuzeigen. Das gebräuchlichste hebräische Wort für Zorn ist ’aph und bedeutet im wesentlichen Nase, Nasenloch. Es wird jedoch oft sinnbildlich für Zorn gebraucht, weil eine aufgebrachte Person heftig atmet oder schnaubt. Anáph ist mit ’aph verwandt und bedeutet in Zorn geraten, erzürnt sein. Zorn wird auch oft mit Hitze in Verbindung gebracht, und daher wird gesagt, dass jemandes Zorn entbrannte. Andere hebräische Wörter werden mit Wut, Grimm, Zornausbruch und heftiger Zorn wiedergegeben. Im Griechischen wird das Wort orgē meist mit Zorn und thymós gewöhnlich mit Wut oder Grimm übersetzt. Zorn kann gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sein.

      Zorn ist gerechtfertigt, wenn er auf Grundsätzen beruht, die auf ausschließliches, unerschütterliches Festhalten der Gerechtigkeit dient, und dadurch bestimmt wird.

      Zorn entsteht nicht aus einer momentanen Laune heraus. Es ist das erkennen aller Zusammenhänge einer Angelegenheit, über eine Sachlage ganz genau Bescheid zu wissen. Nicht zu verurteilen, sondern zornig zu beurteilen- und deuten lautet der Grundsatz. Stets geht es darum, inwieweit jemand aus Unwissenheit, fahrlässig, nachlässig oder absichtlich mit Vorsatz gehandelt hat. Auch in dieser Beurteilung ist grundsätzlich Unparteilichkeit ein Gebot.

      Bei Wut jedoch handelt es sich oft eher um einen Gefühlszustand, der mit enormer Einengung des menschlichen Werthorizontes einhergeht. Es liegt die Schlussfolgerung nahe, dass Wutanfälle krankhaft sind. Hingegen der Zorn eine Fähigkeit, die mit Willensstärke, Mut und Lebenskraft verwandt ist. Wut, Zorn oder Grimm sind dennoch keine zufälligen Phänomene des Menschen. Sie sind stets Ausdruck angespannter Lebenssituationen, die eigentlich nur auf dem Hintergrund der Charakterstruktur eines Menschen verständlicher wird. Bei exakter Betrachtung sind Elemente erkennbar, welche miteinander wie verschwistert sind.

      So, wie ein Mensch zum Hass neigen kann, ist ein Wütender in ständiger Alarmbereitschaft. Anhaltende Verstimmtheit, ja sogar Feindseligkeit verdüstern seine Gemütslage ständig. Alle ihm begegnenden Dinge kann er nur als widerständige Schranken wahrnehmen. Sie stellen sich seinem Selbstsein entgegen. Er erkennt die Lebenshindernisse nicht bei sich selbst, und ist demnach für die entstehenden Schwierigkeiten auch ohne Verantwortung. Dieser Mensch fühlt sich vom Leben ungerecht behandelt. Seine Grundstimmung suggeriert ihm ständig die eigene Ohnmacht, eine Überforderung. Er kennt wenig Freiheitsspielraum in Distanz gegenüber seinen eigenen Schwächen. Auch wird eine beeindruckende Perspektive in gerade solchen Situationen bedeutsam.

      Es zeigt sich häufig ein Augenblicksempfinden, wobei Vergangenheit, wie auch die Zukunft ausgeschaltet wird. Wenn wir im Vergleich den Zornigen betrachten, erkennen wir, dass dieser wenig um sich selbst kreist. Er hat Interesse für Angelegenheiten, die dauerhaft sein können. Wir beobachten, dass er leidenschaftlich an den Dingen teilnimmt. Seine Empörung, oder Zorn zeigt sich, wenn eine Ordnung verletzt worden ist. Durch seinen Protest glaubt dieser Mensch, Entscheidendes bewirken zu können. Seine Perspektive ist demnach deutlich auf die Zukunft gerichtet. Sein Bewusstsein auf die Umwelt ist nicht vernebelt, und somit bleibt es funktionsfähig, auch wenn sich die Sichtweise für Momente verengt hat.

      Er ist sich voll bewusst, warum er zornig ist und worauf sich sein Zorn richtet. Er kann sich im Vergleich zum Wütenden wirklich artikulieren, weil er einen größeren Freiheits- und Handlungsspielraum besitzt. Nur dann ist die Neigung zu Wut prägnant; wenn sich jemand selbst sehr schwach und unsicher fühlt. Aus dieser Neigung heraus erwächst ein intensives Verletztheitsgefühl. Kern ist eine ausgeprägte Unentschlossenheit. Starke Unsicherheit nebst Angst vor Nähe und Hingabe sind typisch. Seine Integrität des ohnehin schon brüchigen Selbst, fühlt sich bedroht. Auch ganz typisch ist der Unterschied zwischen geringem Selbstwertgefühl und dem kompensatorischen Idealbild. Der Mitmensch wird weggestoßen, übergangen und damit >>>klein gemacht<<< Im Grunde will der Wütende so sein, wie sein Ideal. Wenn er in seinen Phantasien von der Realität gestört wird, bäumt er sich gegen diese schmerzliche Korrektur auf. Eitelkeit, Ehrgeiz, ja eine perfektionistische Ader wird augenscheinlich unverkennbar. Es fehlt einfach gesagt, der Blick für ein realistisches Abwägen, und wird durch eine bemerkenswerte Kommunikationsunfähigkeit begleitet.

      Der Willensstarke hingegen hat diese Fähigkeiten gelernt, und erlebt deshalb weniger Misserfolge und Enttäuschungen. Hiermit wird auch verständlich, dass Zorn eher auf dem Boden eines starken Selbstwertgefühls entsteht. Daraus kann folgen, dass er für etwas Überpersönliches kämpft, und für gewisse Zeit sogar auf die Anerkennung seiner Mitmenschen verzichtet. Der Zornige kleidet seine Anliegen in Worte, welche recht genau auf sein Gegenüber zugeschnitten sind. Dadurch bringt er etwas Reinigendes in die Beziehung ein. Er kann Erstarrtes, Gesetztes verzehren. Hier liegt eine Quelle für jeden Neuanfang.

      Doch dürfen wir niemals verkennen, dass sich anhaltender Zorn nicht nur auf unseren Geist nachteilig auswirkt, sondern auch tiefgehende Auswirkungen auf den Organismus hat. Er kann eine Erhöhung des Blutdrucks, arterielle Veränderungen, Atemschwierigkeiten, Leberbeschwerden und Veränderungen der Gallenabsonderung verursachen, sowie die Bauchspeicheldrüse beeinflussen. Zorn und Wut sind starke Gefühle, von denen Ärzte sagen, dass sie Migräne, Asthma, Augenleiden, Hautkrankheiten, Nesselsucht, Geschwüre, Muskelverspannungen, Zahnschmerzen und Verdauungsbeschwerden fördern, verschlimmern oder sogar hervorrufen. Rasende Wut kann den Denkprozess so durcheinander bringen, dass man nicht mehr logisch schlussfolgern oder vernünftig urteilen kann. Ein Zornausbruch hat oft zur Folge, dass jemand eine Zeitlang unter schwerer Niedergeschlagenheit leidet.

In jeder Hinsicht ist es eine weise Entscheidung, seinen Zorn zu beherrschen und dem Frieden nachzujagen, sowie liebevolle, gerechte Forderungen zu stellen.

 

S T O L Z

 

      Stolz hat oft seine Ursache in Hochmut und in einem Mangel an Demut, doch manchmal steht er auch mit Selbstachtung, mit lobenswerten Dingen in Verbindung. Zweifellos kann gesagt werden, dass es bei gewissen Gelegenheiten richtig ist, auf Eigenschaften, Erfolge oder Leistungen stolz zu sein. Zum Beispiel mag ein Mann auf die Fähigkeiten seiner Frau stolz sein, oder Eltern mögen auf ihre Kinder stolz sein, die sie so erzogen haben. Keineswegs handelt es sich um eine zufällige Ideenassoziation die irgendeiner Laune entspringen würde. Für dieses Thema bestehen klare sinnvolle Zusammenhänge, die zu untersuchen- reizvoll sind. Was ist eigentlich Stolz? Zur Struktur des Stolzes erhält man am schnellsten Zugang, wenn man von einer Entscheidung ausgeht, die mehr oder weniger häufig, bei allen Menschen im Seelenleben auftritt. Ein Freund A bemerkt, dass Freund B sich für bedeutender hält, oder gehalten wird. Diese Erkenntnis wird A unter Umständen ohne weitere leidenschaftliche Aufwallung quittiert. Denn die Überlegenheit, die B sich selber zuerkennt oder von anderen zuerkannt bekommt, hat A innerlich sehr wohl vorausgeschaut. Er hat von vornherein das mehr oder weniger deutliche Gefühl, dem B wahrlich unterlegen zu sein. Wenn A nun auch akzeptieren kann, dass B in aller Öffentlichkeit für überlegen erklärt wird, so stimmt diese Bewertung mit derjenigen überein, die im Innern von A, vielleicht uneingestanden, bereits vorlag. A begnügt sich völlig damit, von dieser Einstufung Notiz zu nehmen, weil er sie für angemessen hält.

 

      Doch kennen wir auch Leute, in denen die Reaktion des A ganz anders ausfällt. Die Tatsache, dass B sich viel höher einschätzt oder so eingeschätzt wird, ruft in den geistigen Kapazitäten von A einen echten Aufruhr hervor. Denn damit, dass B Überlegenheit beanspruchen würde, hätte A niemals gerechnet. Das Gegenteil ist für A relevant. Er war immer derjenige, der sich innerlich für Überlegen hielt. Doch kann es sein, dass A dieses Werturteil bezüglich B niemals klar ausgesprochen hat? An dem Stoss der neuen Situation zeigt es sich jedoch, dass in seinem Innern eben doch der entschiedene Glaube an die eigene Überlegenheit existierte. A erlebt nämlich fortan, eine kaum zu überbietende Entrüstung, Bestürzung. Ihm scheint, seine ganze wirkliche Welt wurde verfälscht. Zwischen der Rangstufung die A für richtig erachtet und jener anderen, die von den übrigen als richtig erachtet wird, besteht ein so krasser Widerspruch, dass wenn A sich der Meinung der übrigen anschließen würde, A gleichsam seinen Untergang zustimmen würde. Er hat seine Fähigkeiten im Verhältnis zu B einer bestimmten Wertstufe zugewiesen. Ansehen zu müssen, dass sich B für bedeutender hält, heißt für A, sich in seiner eigenen Substanz geschmälert zu fühlen. Aus diesem Grund ist seine Individualität an ihrer Wurzel verletzt. Von dieser Wunde geht eine enorme Erschütterung seiner ganzen Persönlichkeit aus. Die geistige Energie von A schließt sich zusammen, wie Soldaten zu einer Schlacht, und protestiert gegen eine so verfälschte, wahrgenommene Wirklichkeit. A pocht auf eigene Werte und macht ein Recht auf den abgestrittenen Rang geltend. Zum Gefühl der Überlegenheit ist wohl der Begriff Hochnäsigkeit gut angesagt. Mit dieser Seelenregung des Stolzes begehrt der Mensch gegen eine Wirklichkeit auf, durch die seine Selbsteinschätzung zunichte geht. Unsinnig, erlogen scheinen ihm andere Wirklichkeiten, und die eigene Reaktion zielt darauf ab, sie wenigstens innerhalb seines Bewusstseins auszulöschen oder zu korrigieren. Doch ist dieser Vorgang an sich noch kein Stolz im eigentlichen Sinn. Angenommen, jedes Aufbegehren eines Menschen gegen die Mehrwertigkeit, die ein anderer ihm gegenüber aufbringt, vielleicht beansprucht, sei gerecht oder habe seinen Grund - niemand würde von Stolz sprechen, denn es handelt sich um nichts weiter, als um ganz natürliche Enttäuschung und Entrüstung. Sie wurde hervorgerufen, durch den oder die anderen Menschen, die eine plausible Ordnung auf den Kopf stellen.

 

      Zwar sind solche Reaktionen bei stolzen Zeitgenossen von abnormer Häufigkeit. Doch machen sie allein noch nicht den Stolz aus. Ihre Beschreibung kann uns von Nutzen sein, weil wir dabei in die unmittelbare Nachbarschaft der Bedürfnisse kommen, wo der Stolz seinen Ursprung hat. Jene innere Auflehnung nämlich verrät, ohne es konkret zu ahnen, im tiefsten Grund unserer Persönlichkeit einen recht komplizierten Wertmesser. Hier gibt es keinen uns umgebenden Menschen, der dort registriert wäre, insofern er zu uns steht. Diese Vergleiche treten allem Anschein nach sofort in Tätigkeit, wenn wir von jemand Notiz genommen haben. Wir entscheiden, ob er unseren eigenen Wert übertrifft, ihm gleichkommt oder hinter ihm zurückbleibt. Das Ergebnis ist eine dynamische Wechselwirkung. Dieses Bedürfnis ist einer der entscheidenden Wesensbestandteile des Menschen. Ständig richtet sich unser Verhalten allein oder im Kreis von Mitmenschen, nach der Höhe des humanen Niveaus, das wir uns selber zumessen; wenn wir restlos aufrichtig zu uns selbst sind:

 

Es gibt zwei grundverschiedene Arten menschlicher Selbstbewertung:

 

 

 

Das 1. Wertphänomen

 

      Menschen die nur auf sich selbst schauen und nur nach ihrem Selbstgefühl gehen, wenn sie sich einem bestimmten größeren, oder geringeren Wert zuschreiben. Das ist die Art spontaner Selbstbewertung.

 

Das 2. Wertphänomen

 

      Menschen blicken, wenn sie sich positionieren erst auf die Mitmenschen und auf ihre Beurteilung, welche bei diesen, für sie selbst zu finden ist. Das ist die Art reflektierender Selbstbewertung.

 

      Schwerlich dürfte es eine wichtigere Grundtatsache geben, als die jeweilige Bewertungsart. Sie ist eine buchstäblich elementare Veranlagung, in welcher der ganze Charakter wurzelt. Man zählt zum einen oder zum anderen Typ Mensch. Zu denen, für die es entscheidend ist, wie sie eingeschätzt werden, oder für die es ausschlaggebend ist, wie sie sich selbst einschätzen. Stolz findet sich nur bei spontaner Selbstbewertung. Bei den reflektierenden Typen können wir von Eitelkeit reden. Beide Wesenstendenzen entsprechen auch unterschiedlichen, entgegengesetzten Richtungen im Denkstiel. Die reflektierende Selbstbewertung lebt aus ihrer Umgebung. Hingegen trägt die spontane Selbstbewertung ihren Schwerpunkt in sich selbst, und die Meinung der anderen vermag sie oft nicht entscheidend zu beeinflussen. Darin liegen auch die Leidenschaften Stolz und Eitelkeit in ihren Gegensätzlichkeiten begründet. Sie entspringen in einer Weise, konträren Wurzeln und nehmen innerhalb der Leidenschaften zwei verschiedenartige Plätze ein.

 

      Eitelkeit wohnt an der Außenseite des Menschen, wohingegen der Stolz, im tiefsten Grund des Innern seinen Wohnort hat. Zum besseren Verständnis sei jedoch erklärt, dass der Mensch mit der spontanen Selbstbewertung, sich zwar nicht darum kümmern wird, welche Beurteilung er bei anderen gefunden hat; jedoch hat dies für ihn keine Bedeutung, welchen Wert seine Mitmenschen verkörpern. Es ist durchaus denkbar, dass seine Selbstbewertung gerecht, nicht unbescheiden, feinfühlig und treffend ist. Er hat, wenn er sich auf eine bestimmte Wertstufe erhebt, diejenige im Auge, die seines Erachtens angemessen erscheint. Nun wird eigentlich ziemlich klar, was Stolz bedeutet. Er ist ein auf Übertreibung beruhender Irrtum des eigenen Niveauempfindens. Bleibt dieser Irrtum in bestimmten Grenzen und betrifft er nur das Wertverhältnis zu den einen oder anderen Mitmenschen, so wird eine Verfälschung des eigenen Charakters, keinen Einfluss haben. Zwar kann mitunter ein Fleckchen Stolz zu sehen sein, doch der Mensch in seiner Gesamtheit wird kein Stolzer. Erst bei chronischem Irrtum des Menschen gerät dieser in ein fortwährendes Niveau der Unausgeglichenheit. Dann ist er den psychischen Vorgängen voll ausgesetzt, das sich infolge seines Ausdrucksvermögens, auf den ganzen Körper gestaltend vollzieht. Die ständige Fehlbewertung der eigenen Person, hat auch eine Blindheit für den Wert anderer zur Folge. Der Stolze macht sich über seine eigenen Qualitäten keine Illusionen. Doch seinem wertenden Blick sind immer nur die eigenen Werte zugänglich. Deshalb ist es möglich von einer Illusion der Sinnestäuschung zu sprechen. Alles was wir diesem Menschen sagen mögen, wollen, können - alles wird ihm weniger einleuchten, als das, was er selbst mit vollständiger Klarheit in sich selber erblickt. Demut ist nicht das Gegenteil von Stolz. Vielmehr ist es wohl aufrichtige Würdelosigkeit.

 

     So bleibt nur der Versuch, das Herz dieses Menschen zu erreichen, als Sitz aller Beweggründe, ihn so zu begleiten, wie einen Blinden. Dieser Mensch hat so gut wie keine Achtung vor sich selbst. Sein Blick erkennt kaum oder gar nicht, jene kleinen oder kleinsten Werte, wie sie bei jedem menschlichen Wesen zu sehen sind. Vergeblich können wir in diesem Fall ein würdiges Benehmen, Handeln erwarten. Es wäre für ihm ein Betrug. Denn sich selbst zu achten, wäre ja eine Aufforderung, die er so gänzlich verachtet. Aus einer inneren Blindheit für zwischenmenschliche Werte, kann der Stolz als ein Symptom allgemeiner geistiger Abschließung beschrieben werden.

 

      Diese durchaus übertriebene Neigung zeigt deutlich den Schwerpunkt, sich selbst zu genügen. Im Stolz als Genügsamkeit, ist der wirkliche Sachverhalt völlig beleuchtet. Der wahrhaft Stolze erkennt das außerhalb seiner Person gelegene nicht mehr. Daraus ergibt sich eine weitere Schwierigkeit im Umgang mit diesen Menschen. Sie sind verschlossen, so recht bar einer Wissbegierde, die doch fortgesetzt notwendig ist für eine aktive geistige Durchlässigkeit und Aufnahmebereitschaft, um nachsinnen zu können.

 

      Es fehlt an angenehmer Ungezwungenheit, durch eine innewohnende Furcht vor dem Lächerlichwerden. Das Leben ist durch eine fast erstarrte Grundhaltung gekennzeichnet. Der Stolze ist also würdevoll, doch engstirnig und unfähig, am Leben Freude zu finden. Sein Auftreten kann dennoch stets elegant sein. Elementar ist seine Grundhaltung, dass er sich keiner Sache bedürftig zeigt. Eine kindliche Selbstvergessenheit, das sinnliche Vergnügen ist ihm verlustig gegangen. Er braucht nichts, und noch weniger als irgendetwas, braucht er irgendjemanden. Aus diesem Grund steht er auch Neuem ablehnend gegenüber. Eine Neuheit ohne weiteres anzunehmen, zu akzeptieren, das kommt einer Demütigung gleich. Dadurch würde er ja zugeben, dass es außerhalb seiner Bedürfnisse noch etwas Gutes zu entdecken gäbe. Die Ansicht, dass es einen Reichtum an neuen Ideen und Empfindungen gibt, kann er wenig teilen. In dieser Betrachtung wird er eher ein allgemeines Aufbäumen verletzter Stolzgefühle erleben.

 

      Durch das bislang Gesagte, ist die spezifische Form des Stolzes zwar definiert, doch fehlen noch einige Aspekte. Stolz ist eine Form von Egoismus der Wertewahrnehmung und kann seinerseits unterschiedliches aussehen haben. So ist ein Stolz denkbar möglich, der darauf beruht, dass man sich für sehr klug und gescheit hält. Begabung, Rechtsgefühl, Mut, guter Geschmack sind ohne Zweifel Werte ersten Ranges, die den Menschen zur Selbstverwirklichung führen können. Sie treten mal stark, bald geringer auf, doch zählen sie kaum zu den Gaben die ein jeder von uns dank seines Geborenseins in sich trägt. Sie stellen Qualitäten dar, welche durch Lernen, Pflege, Ausbildung, durch den Willen verbessert werden dürfen.

 

      Notwendig zu erkennen ist in dieser Bedeutung die moralische Perspektive, die sich ergibt. Die Unterschiede zwischen schlau und dumm, gescheit und unwissend, schön und hässlich fallen recht wenig ins Gewicht und verdienen kaum Beachtung. Gemessen an der so bedeutungsvollen Realität, dass wir denkende mit Unterscheidungsvermögen lebende Seelen sind. Das Sinnvolle, das Wertvolle am Menschen bleibt seine Urtümlichkeit, das Untergründige, das mit den Augen nicht zu erblicken ist. Weil der Lebenslauf jedoch ein Wettlauf ist, um die Erlangung jener überflüssigen, oft oberflächlichen Vorzüge, die sich Herrschaft, Ruhm, Macht und so weiter nennen, ist es wenig verwunderlich, dass der stolze Mensch so wenig Anteil an wahrer geistiger Entwicklung genommen hat. Seine Selbstbestätigung wird ausschließlich von seiner individuellen Energie gespeist, die eines gewissen transzendenten Egalitarismus gleichkommt. Es besteht wenig Zweifel, dass dieses Leben etwas von wilder Größe an sich hat. Denn es ist ja keine auf gleicher Augenhöhe, auf Liebe beruhende Größe. Also nicht im Bilde des Schöpfers, dem größten Baumeister, dem besten Organisator von Annäherung und Distanz. Weil sich die meisten Menschen der untersten Qualitäten bedienen, wollen sie nicht erkennen, dass eine geistige Ordnung überlegen ist. Innerhalb seiner hermetisch abgesperrten Welt lebt der stolze Egoist für sich selbst. Gerade hier liegt seine Unmöglichkeit zur wahren Liebe. Entscheidet er sich nach reiflichem Grübeln in seinem Herzen - willigt er in sein schrecklich, negatives, zerstörerisches Denken >Alle sind unter der Sonne gleich< ein. Diese Veränderung kann man mit einem feinen Gehör wahrnehmen. Es ist zunächst ein natürliches Ergebnis, eine auf unterste Werte gegründete stolze Reaktion. Um nunmehr diese Werte verbessern zu können, dürfen fremde Werte bewundert werden. Ja das Bewundern fremder Vortrefflichkeit führt zu dem eigenen Wunsch, dieser neu entdeckten Qualität, tatbereit und teilhaftig werden zu lassen.    

T Ä U S C H U N G

      Dieser Mensch hat den inneren Draht zu seiner Gefühlswelt blockiert und weitgehend verloren. Gewohnheitsmäßig geht es ihm um sein Image. Mehr um das, was er nach außen darstellen kann, als um sein wahres Selbst. Ganz besonders dunkle Gefühle werden vermieden, wie Schmerz, Trauer oder Aggressionen. In seiner Außendarstellung muss er bei anderen gut ankommen. Gelingt es, sich optimal zu präsentieren, dann ist Anerkennung sein Lohn der für sein Wohlbefinden sorgt, und seine erhoffte Harmonie schafft.

     Umgekehrt erlebt er sich sogleich als Versager und setzt alles daran seine Anstrengungen zu verstärken, um sein Image aufzupolieren. Selbst dann, wenn von ihm erkannt wird, welches Loch hinter dieser Fassade besteht. Sein Selbstbild: Ich bin erfolgreich und komme sehr gut an, muss um jeden Preis aufrechterhalten werden. Durch das Festhalten dieser äußeren Maske entwickelt sich ein Selbstbetrug, die eigentliche Täuschung, zumal sie mit der inneren Wirklichkeit gar nicht übereinstimmt. Je zahlreicher die Diskrepanz zwischen Selbstbild und dem wahren Selbst auftritt, desto größer die Furcht zu versagen. Hinter dem zur Schau gestellten Bild steckt ein echt wackeliges Selbstwertgefühl, welches auch in Depression und Selbstverachtung umkippen kann.

      Wir alle können leicht dieser Selbsttäuschung erliegen. Es mag uns tatsächlich schwer fallen, lieb gewordene Meinungen aufzugeben oder diese auch nur zu hinterfragen.

      Warum? Weil wir an unseren Ansichten und Überzeugungen emotionell sehr hängen. Ist das der Fall, könnten wir uns durch falsche Überlegungen selbst betrügen, indem wir Gründe ersinnen, um das zu rechtfertigen, was in Wahrheit falsche oder irregeleitete Auffassungen sind. Vorurteile erwachsen aus Unwissenheit, und oft sind sie von Hass und Ablehnung begleitet. Doch Voreingenommenheiten werden erst dann zu Vorurteilen; wenn sie angesichts neuer Informationen, das Denken nicht verändern. Schon die Bereitschaft für ein Gespräch, das zu einer Übereinkunft der Beteiligten führt, ist die Art von Kontakt uns näher zu kommen. Woran könnten wir auch feststellen, ob wir einer Art von Selbsttäuschung, durch Vorurteile zum Opfer gefallen sind? Beispielsweise an dem Eingeständnis, dass es uns ärgert, wenn unsere Ansichten infrage gestellt werden. Statt ärgerlich zu werden, sollten wir klugerweise aufgeschlossen bleiben und uns aufmerksam anhören, was andere zu sagen haben, selbst wenn wir überzeugt sind, dass unsere Meinung richtig ist.

      Was können wir tun, um uns ein klares Denken zu bewahren? Es gibt verschiedene Hilfestellungen, doch wir müssen bereit sein, selbst etwas dafür zu tun. Ja, wenn wir persönlich bemüht sind, unseren Sinn und unser Herz mit der offenkundigen Wirklichkeit zu füllen, werden wir Weisheit und Einsicht sowie echtes Unterscheidungsvermögen erlangen. Tatsächlich werden wir nach Dingen forschen, die von weit größerem Wert sind als Silber oder jeder andere materielle Schatz auf der ganzen Erde. Weisheit und Erkenntnis sind gewiss wichtige Voraussetzungen für klares Denken. Wenn Weisheit in dein Herz einkehrt und Erkenntnis selbst deiner eigenen Seele lieblich wird, heißt es, so ist es Denkvermögen, das stets über dich wachen wird, ja Unterscheidungsvermögen wird dich behüten, um dich von dem schlechten Weg zu befreien, von den Menschen die verkehrte Dinge reden, von denen, die die Pfade der Geradheit verlassen haben, um auf den Wegen der Finsternis zu wandeln. Auch wenn es momentan ein gangbarer Weg zu sein scheint, ihnen die Schuld für die eigene Befindlichkeit, oder des eigenen Verhaltens zu geben, birgt er einen wesentlichen Nachteil in sich. Wir sind unfrei, weil andere uns durch Manipulation in der Hand haben.

      Zu allen Zeiten, selbst unter Gefahr ist es besonders wichtig, unser Denkvermögen zu schulen. Dabei hilft die Gewissheit, dass starke Gefühlsregungen wie Zorn oder Stolz klares Denken trüben können. Allein Bedrückung kann bewirken, dass selbst ein Weiser unsinnig handelt. Es könnte sogar soweit kommen, dass total unser Herz ergrimmt. Wie könnte das geschehen? Dadurch, dass wir anderen Menschen fortgesetzt die Schuld an unseren Problemen geben, und damit unsere Handlungsweise rechtfertigen wollen, die mit unseren eigentlich eigenen Prinzipien und Grundsätzen unvereinbar sind. Statt zu denken, wir wüssten alles immer am besten, sollten wir eine demütige Einstellung entwickeln, und nötigenfalls sollten wir auch bereit sein, selbst eingewurzelte Ansichten aufzugeben, wenn sich für uns herausstellt, dass sie verkehrt sind.

 

N E I D

      Groll und Missgunst gegenüber anderen wegen ihres Besitzes, Wohlstands, Rufs, ihrer Stellung oder ihrer Vorteile. Neidische Menschen begehren das, was andere haben, und denken manchmal, dem Besitzer stehe das, worum sie ihn beneiden, nicht zu. Das hebräische Wort qin’áh kann sich zwar je nach Kontext auf Eifer, glühenden Eifer, Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit oder Eifersucht und Beneiden beziehen, doch das griechische phthónos hat durchweg eine negative Bedeutung. Eine der schlechten Neigungen des Menschen ist sein Hang zum Neid.

      Neid ist ein Ausdruck von Hass. Personen, die ihre Ziele mit Gewalt erreichen, mögen sich eine Zeitlang der Sicherheit erfreuen. Es kann sogar sein, dass sie ohne große Ängste in Frieden sterben. Betrachtet ein anderer seine möglicherweise weniger günstigen Umstände, so könnte er auf die Bösen neidisch werden und die Wertschätzung dafür, dass er Gutes tun darf verlieren. Wer ständig Ungerechtigkeit verübt, ist vergänglich wie Gras, das unter der starken Sonnenhitze verwelkt. Folgender Spruch bringt das klägliche Los eines Neiders zum Ausdruck: Ein neidischer Mensch, schlechten, bösen, üblen Auges hastet nach wertvollen Dingen, doch er weiß nicht, dass Mangel selbst über ihn kommen wird. Wer neidisch auf andere blickt, geht tatsächlich dem Mangel entgegen. Während der Betreffende sich verzweifelt bemüht, den gleichen Stand zu erreichen, die er beneidet, wird er moralisch geschwächt und opfert gerechte Grundsätze. Selbst wenn es ihm gelingt, Reichtümer aufzuhäufen, sind diese doch vergänglich und müssen beim Tod zurückgelassen werden. Folglich hat er sich umsonst abgemüht oder nach nichts ‘gehastet’. Neid gehört zu den verächtlichen Werken des Fleisches. Nagt Eifersucht an einem, so empfindet man mehr als ein momentanes Unbehagen. In ernsten Fällen kann es so weit kommen, dass man alles was jemand tut, oder die Empfindungen, die er zum Ausdruck bringt, verdreht. Man sieht dann womöglich alles schwarz und versucht, den Betreffenden in seiner Freiheit einzuschränken.

      Ein Schriftsteller drückte es folgendermaßen aus: Eifersucht tut weh. Sie scheint uns körperlich und seelisch zu verzehren. Kaum ein Gefühl ist so stark, außer wahrer Liebe.

      Da alle Menschen Fehler machen, werden wohl bei uns allen Spuren der Eifersucht vorhanden sein. Sie kann auf indirekte Weise oder unter bestimmten Umständen zutage treten. Wir dürfen schädliche Eifersucht nicht unbeachtet lassen, sondern wir sollten lernen über die Eifersucht Herr zu werden. Eine solche Handlungsweise kennzeichnet einen reifen Menschen. In diesem Sinn kann das Wort Eifersucht auf einen angemessenen Eifer für Wahrheit und Gerechtigkeit gedacht sein. Andererseits sind nur all zu oft schlechte Beweggründe für die Eifersucht verantwortlich, oder die eifersüchtige Person ist ganz einfach im Irrtum. Vielleicht verdächtigt sie andere ohne Ursache oder ärgert sich darüber, dass anderen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil sie meint, sie allein habe ein Anrecht darauf? Oft ärgern sich diese Menschen über sich selbst, denn sie wissen genau, dass sie nicht so denken sollten!

      Was auch immer die Ursache ist, unangebrachte Eifersucht übt eine zerstörerische Macht aus. Sie kann Kopfschmerzen, Seelenqualen, Magenverstimmungen und Geistesstörungen verursachen. Sie kann Ärger und Hass hervorrufen und sogar zu einem schwerwiegenden Verbrechen führen. Wie können wir über die Eifersucht Herr werden? Gut zu handeln, und wenn wir nicht darangehen, gut zu handeln, so kauert die Sünde am Eingang, und nach ihr steht ein tiefes Verlangen; und wir werden, ja wir, die Herrschaft über sie erlangen, und bereit sind einander zu lieben. Starke Liebe ist für das Abwenden von Eifersucht unerlässlich ist. Liebe ist nicht eifersüchtig. Durch Eifersucht kommt und entsteht mehr Selbstliebe zum Ausdruck als Liebe zu anderen. Wenn man sich bemüht, von jemandem, der Eifersucht in uns weckt, gut zu denken, lasst die Eifersucht nach. Wir werden allmählich Herr darüber. Aufmunternde Worte sind eine weitere Möglichkeit, Eifersucht nicht aufkommen zu lassen. Sollten wir, wenn uns Gefühle der Eifersucht betrüben denken wir seien zu ALT, für einige aufmunternde Worte? Nein, zweifellos ist vieles zu sagen, was helfen kann, uns auch über den Erfolg anderer zu freuen. Sie können dazu beitragen, dass wir auch gegenüber anderen, die unseren Neid erregen, Gefühle der Liebe und der Zuneigung zu zeigen gewillt sind. Wer ein etwas sensibleres Naturell hat, neigt zum Grübeln, wenn ihn die Eifersucht packt. Für ihn wäre es gut, sich seine Gefühle vom Herzen zu reden. Verbergen wir Gefühle der Eifersucht nicht. Machen wir aus unserem Herzen keine Mördergrube, und lassen erkennen, was uns betrübt oder ärgert. Es wirkt sich schädlicher auf die Gemütsverfassung aus, wenn wir Eifersucht in uns zu verbergen suchen, als andere wissen zu lassen, wie wir uns fühlen. Jeder braucht von Zeit zu Zeit einige trostreiche Worte. Zum Beispiel können wir im Gespräch versichern: Mach dir keine Sorgen, Gedanken um unser Verhältnis, denn unsere Beziehung ist durch nichts zu ersetzen. Ein paar Worte wie diese reichen oft schon aus, und gegenseitige Zufriedenheit wird wirksam.

G E I Z

      Dieses Wort bedeutet so etwas wie Habsucht und Gier. Wesensmassig ist ein Geiziger der, der von Begehren und Verlangen getrieben wird. Bedeutung findet der extreme Wunsch nach Versorgtwerden. Auch ein Bewundertwerden und gewünschte Zuwendung mit großer Empfindlichkeit um Aufmerksamkeit fehlen nicht. Um zu verstehen, wie der Volksmund die Asozialität geiziger Menschen beklagt, ist folgender Satz beachtlich: Wenig versprechen, doch sein Wort geben, lässt den Geizigen unbeschwert leben!

Durch diese Art der Bereicherung wird eine enorme Gefühllosigkeit anderen Menschen gegenüber erzeugt. Geiz hängt auch oft mit Eitelkeit zusammen. Dieser ausgeprägte Egoismus macht auch vor vertrauten Personen kein halt. Sein Misstrauen verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Daraus ergibt sich, dass er die Freuden der Liebe nicht genießen kann. Geiz ist ein Ausdruck für Machtwillen, der sich in allen Lebensäußerungen bekundet. Der Eindruck ist schwer abzuwehren, dass die Form des Geizverhaltens, die Erhöhung des eigenen ICH ´s annimmt. Es ist jene allgemeine Form, die sich im Wesentlichen darin ausdrückt, dass es jemand nicht über sich bringt, anderen Freude zu bereiten. Er geizt also mit seiner Hingehung an die Gesamtheit oder an Einzelne. Dieser Mensch türmt eine Mauer um sich auf, um sich seiner armseligen Schätze sicher zu sein. Sein Geiz schließt das Hergeben von Worten, Gedanken, Gefühlen und freudigen Stimmungen ein. Wenn andere Menschen auf ihn zukommen, werden sie zunächst als potentielle Eindringlinge wahrgenommen, und gewohnheitsmassig auf Abstand gehalten. Neue Beziehungen bedeuten immer unsicheres Terrain zu betreten.

      Doch steht das Phänomen Geiz in einem echten Spannungsfeld von Minderwertigkeitsgefühl und Geltungsstreben auf der einen, und dem Gemeinschaftsgefühl auf der anderen Seite. Fühlt sich dieser Mensch recht unterlegen, dann bildet er einen charakterlichen Entwurf als Lebensplan oder auch Lebensstil, der steil nach oben zur Überlegenheit hinführt. Zur Verwirklichung werden dann Eigenschaften, wie Ehrgeiz, Eitelkeit, Neid, und Stolz mobilisiert. Unter Umständen kann auch Trauer, Angst und Isolierung auftreten. Doch in allen derartigen Fällen erleidet dieser Mensch Schiffbruch. Dieser von kompensatorischen Machtwillen gehetzte Mensch, kann kein ausreichendes Interesse am Glück anderer Menschen entfalten, und sucht beständig nach Rückzugsmöglichkeiten. Sein nervöser Charakter verhindert die Selbstprüfung und seine Selbstverwirklichung. Charakter beantwortet nämlich stets die Sinnfrage unseres Lebens.

      Wir können durchaus von seelischen Entwicklungsanomalien reden, die in Neurosen oder Psychosen münden können. Dieser verstärkte Kampf mit ihrer Umwelt wird sehr oft ins Unbewusste verdrängt. Bei guter Sachkenntnis sind Züge des >Alles Haben Wollen< zu entdecken. Andere Menschen werden zu Werkzeugen. Er will sie für seine Zwecke gebrauchen. Berechnung und menschliche Kälte entwickeln sich zu seiner Lebensstruktur.

      Die Leidenschaft des Geizes weist, wie andere Leidenschaften notwendigerweise auch, körperliche Symptome, Reaktionen auf. Weil der geizige Mensch seine emotionalen Lebensäußerungen zurückhält, bremst er sein gesamtes sympathisches Nervensystem. Sein vegetatives (vom Willen unbeeinflusst) Leben schaltet auf Sparflamme. Selbst sein Essverhalten wechselt zwischen Heißhunger und Fasten, denn die Voraussetzung zur Freude am Essen, ist grundsätzlich auch eine Beziehung zur Welt, ja eine allgemeine Freude und Dankbarkeit für alle Bereiche des Lebens und des Erlebens. Genau genommen ist der ganze menschliche Körper ein Kontaktorgan, womit Beziehung zur Umwelt aufgenommen oder verhindert wird. Der Hang eines geizigen Menschen, nach Unabhängigkeit lasst seinen intimen Bereich fast völlig verkümmern. Hingabe wird als Hergabe empfunden, er will Beständigkeit, die ihm gegen die Angst vor dem Schwinden seiner Lebenssubstanz (Geiz) sichern soll. Sein Besitz wird über lebendige Beziehungen gestellt. Seiner Allmacht willen wendet er sich von der DU- und WIR Welt ab, und isoliert sich in seiner eigenen unglücklichen Welt. Wegen dieser Kopfstellung gegen die Umwelt, will dieser Mensch alle Trümpfe in der Hand behalten, er will sich niemals festlegen. Seine Lieblingsredensarten lauten: Ich weiß nicht, ich kann nicht, ich will nicht, mal sehen wie es wird! Jedes innige Gefühl wird mit dieser Einstellung ausgeschaltet. Das zeigt sich auch in Machtkämpfen, wenn sein Wissen angezweifelt oder sogar widerlegt wird. Wissen bedeutet für ihn keine intellektuelle Spielerei, sondern ein sicherheitsgebender Faktor, auch wenn dadurch gnadenlos die Schwachstellen anderer dargelegt werden. Das Herz dieses Menschen liegt sozusagen in seinem Intellekt. Der Kopfweg dient zur Absicherung als Lösung, nichts mehr spüren zu müssen, und gar nichts mehr zu fühlen. Allein aus diesem einzigen Grund ist ein Weg zum Wagemut, Können, Optimismus und zur Lebensfreude zu suchen, damit seine Freiheit vor Bindungen, sich in eine Freiheit für Bindungen entwickeln kann.

      Durch Erörterung seiner dominierenden Unsicherheit mittels des unbefangenen Blicks von außen, kann gezeigt werden, dass ein Detail seines Lebens, oft sogar nur ein einmaliges Versagen in der Vergangenheit war. Dieses wurde jedoch von ihm als absolut gesetzt. So zieht sich eine Schwachstelle seines Lebens, wie ein roter Faden durch seine einzelnen Lebensbereiche, und die Verzerrung ja seine Fehleinschätzung der eigenen Lebenssituation nimmt seinen traurigen Lauf. Hier kann die Ursache geklärt werden, warum seine Gedanken und Vorstellungen um diesen Vorfall kreisen, was ihn daran hindert, dem Neuen aufgeschlossen, unbeschwert und unbelastet gegenüber zu treten. Den Kontext individuell, den eigentlichen Handlungsrahmen zu verstehen ist wichtig. Nur er zeigt das Lebensziel, die Richtung alles Denkens und Handelns. Auf Grund dieses Zieles werden verborgene Bedeutungsinhalte hinter den verschiedenen Einzelinhalten erkennbar. Diese dürfen als Teile eines Ganzen betrachtet werden, und gewinnen ein besseres Verständnis und ein Gespür für das Wesentliche im Leben, was unserem Auge verborgen bleibt. Im Licht dieser Einheit werden das Denken, Fühlen, Wollen, Träumen, Einstellungen und Haltungen deutlich. Wie die Fertigkeit eines Künstlers, kann so alterstunabhängig ein Lebensstil aufgebaut werden, ohne nachteilige Konsequenzen erwarten zu müssen. Eine Sensibilisierung für echte Gefühle, anstelle intensiver, intellektueller Auseinandersetzungen kann entwickelt werden. So kann dieser Mensch schrittweise sein realistisches, zentrales Lebensthema, die eigene Existenzberechtigung entwickeln.

Z W E I F E L

      Die mit Zweifel sinnverwandte Wortgruppe heisst soviel, wie zagen oder verzagen, was soviel bedeutet wie bange sein, oder gar seelisch bedrückt oder betrübt. Umgangssprachlich können auch Begriffe wie Befangenheit, Scheu oder Scham benutzt werden.  

      Kaum ein Gefühl ist so vielen Menschen vertraut, wie der Zweifel. Fast jeder kann zugeben Zweifel zu haben oder zumindest in dieser oder jener Situation zweifelnd reagiert zu haben. Doch werden Zweifel sehr unterschiedlich erlebt und eingeschätzt. Oftmals ist eine ehrliche, aufrichtige Prüfung von Tatsachen nötig, um den wahren Sachverhalt zu ermitteln. Das ist doch nicht dasselbe, wie unbegründete Zweifel in Herz und Sinn aufkommen zu lassen. Zweifel können Überzeugungen und Beziehungen zugrunde richten. Diese Art von Zweifel wird definiert als: Glaubens- oder Meinungsunsicherheit. Diese sehr persönliche, subjektive Unsicherheit beeinträchtigt die Entscheidungsfindung. Zweifel kann das Verhältnis zu vertrauten Menschen zerstören und gleicht einer Meereswoge, die vom Wind gejagt und umher getrieben wird. Der Mensch reagiert unentschlossen, unbeständig in all seinen Überlegungen. Er wird unsicher und schwankt in seiner Meinung. Das hat zur Folge: zwischenmenschliche Situationen werden offenbar vermieden.

      Eine tiefere Ursache des Zweifelns ist im Ausweichen vor Lebensfragen (Hemmungen) zu suchen. Diese Wirklichkeit hat unbedingt etwas mit Mangel an Mut zu tun. Aus einer inneren Furcht heraus gerät dieser Mensch in Verwirrung, er weicht zurück, sobald eine wirkliche oder empfundene Gefahr vor ihm auftaucht. Wir können uns förmlich vorstellen, welche Zweifel diesem Menschen durch den Kopf gehen, jemanden Fremden anzusprechen, wie er hin und her überlegt und es am Ende lieber sein lasst, weil ja nichts Gutes herauskommen kann. Ist es ihm möglich, sich in einem vertrauten Kreis zu äußern, so spricht er mit leiser zaghafter Stimme. Wird die Runde größer verstummt er meistens. Anderen fällt es nicht leicht, ihn ins Gespräch einzubeziehen. Fragen werden knapp oder gar nicht beantwortet, sodass sein Gegenüber immer wieder aktiv werden muss, wenn das Gespräch kein Ende finden soll. Manchmal sind auch Monologe zu beobachten, was wiederum einen fruchtbaren Gedankenaustausch verhindert. Ganz deutlich spiegelt sich in solchen Situationen ein Gesichtsausdruck der Scheu wider. Er vermeidet es, seine Gesprächspartner anzusehen, mit ihnen im Blickkontakt zu treten, so als könne sein offener Blick, sein Innenleben verraten. Die Gesichtszüge bleiben ziemlich unbeweglich, starr. Eine genaue Beobachtung, lasst etwas Maskenhaftes erkennen. Oft versucht dieser zweifelnde Mensch durch ein ständiges Lächeln, seine Unsicherheit zu überspielen. Doch wie kann dieses Spiel eine echte Fröhlichkeit ausdrücken? Denn der eigentlich verborgene Sinn besteht ja gerade darin, sich der Kontaktaufnahme zu entziehen.

      Insbesondere werden unbekannte Situationen kritisch erlebt, die körperliche Symptome nach sich ziehen. Erröten, Erblassen, Herzklopfen, Magenreaktionen, Harndrang, Kopfschmerzen bis zu Migräneanfällen. Ein Zweifler konzentriert sich außergewöhnlich stark auf diese störenden, wie peinlichen Symptome. Sie sind ihm eine echte Blamage, doch je konzentrierter er auf sie reagiert, so lähmender sein Verhalten. Selbst wenn er allein ist , kann er nachträglich in Ärger geraten, wenn er sich einer vorausgegangenen Blamage erinnert. In seiner Phantasie wird dieses Missgeschick wieder und wieder ausgemalt. Bei einer nächsten Gelegenheit verhält sich dieser Mensch wieder ähnlich, oder er bestimmt in seinem Herzen, zukünftig noch vorsichtiger zu sein, um derlei Situationen völlig zu vermeiden. Er wird zum Sklaven seiner selbst. Er macht sein Herz zu einer Mördergrube.

      Der wahre Mangel, Beziehungen zu anderen aufzunehmen oder sich in allen Lebenssituationen behaupten zu können - seine Meinung offen und ehrlich zu verkünden - deutet auf ziemlich geringe Selbstachtung. Seine Neigung zu Misstrauen und Pessimismus birgt ja gerade eine Unterschätzung der eigenen Person. Das Gefühl, nicht verstanden zu werden ist vorherrschend, wobei klar ersichtlich wird, wie wenig möglich es ihm selbst ist, sich verständlich zu machen. Das begünstigt eine gewisse Resignation, und die Aufmerksamkeit wird auf eigenes Verhalten und Benehmen gerichtet.

      Oft versteckt sich ein zweifelnder Mensch hinter Zeitungen und Bücher und verbreitet eine Atmosphäre der Unnahbarkeit, obwohl sein sehnlichster Wunsch besteht, geliebt zu werden. Dafür ist auf jeden Fall Vertrauen, wie auch emotionale Nähe erforderlich. Sein Verdacht Fehler zu machen plagt ihn, im Fall seiner Preisgabe von Hoffnungen und Wünschen. Auch diese Art von Selbstschutz verhindert ein wahres Echo von anderen. Das negative Selbstbild kann sich somit kaum ändern. Er hat Zweifel an seinen eigenen Gefühlen, er zweifelt an ehrlicher Zuneigung ohne Bedingungen. Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass er Freundschaften hat, und sich anderen anschließen kann. Jedoch sind diese Beziehungen auf wenige Freunde beschränkt. Sie schließen prinzipiell in seinen Überlegungen und Handlungen andere Menschen aus. Oft kennen sie sich untereinander durch einseitige, mündliche Überlieferungen, oder von Fotos.

      Am ehesten findet sich der zweifelnde Mensch im Berufsleben zurecht. Im beruflichen Alltag besteht eine recht unverbindliche Atmosphäre. Eine gewisse Furcht vor intimen Situationen kommt selten vor. Er hat ein viel leichteres Spiel, weil die meisten zu lösenden Aufgaben festgelegt sind. Sich in Vorgeschriebenes einzufügen fällt ihm nicht so schwer. Er stürzt sich mit Eifer in die Arbeit, geht ganz darin auf. Dadurch kompensiert er seine private Isolierung. Während einer Arbeitswoche kommt die relativ innere Leere nicht so sehr auf, weil ja die Zeit verplant ist. Erst die Freizeit wird zu einer starken Belastungsprobe, in der er mit seiner Kontaktarmut konfrontiert wird. Zwei, drei Tage wollen gestaltet und erfüllt werden. Körperliche Symptome, wie Migräne, Depressionen entheben ihn dann oftmals der Last seiner Freiheit. Die Lust zur Freude ist verlustig.

      Eine weitere zentrale Bedeutung spielt die Phantasie des Zweiflers. Wir können davon ausgehen, dass er im Verlauf seiner Entwicklung zu einer introvertierten Persönlichkeit gewachsen ist. Recht deutlich zeigt sich dies in seiner Abwendung von Möglichkeiten, realer Befriedigung seiner innersten Bedürfnisse. Er zieht es vor, weiterhin in seiner Phantasiewelt zu leben, statt aktiv die Realität zu erobern, und seine wahren Wünsche zu äussern. Das verweilen in der Phantasie bringt für ihn eine gewisse Befriedigung. Sie wird kaum getrübt von dem Wissen, dass er selbst der Realität ausweicht. Doch sind nicht alle von der Realität verdrängten Richtungen total aufgegeben. Vielmehr werden sie mit einer Intensität in seiner Phantasie festgehalten, die immer einen Drang zur Realisierung entwickeln. So entwickelt sich eine Tendenz unvermeidlicher Konflikte zwischen Phantasien und dem Bewusstsein, deren Hintergründe der Zweifelnde nicht versteht und unter denen vielfältigen Symptome er leidet. Er versteht nicht, warum er lieber schweigen mag, warum er ein Leben in seiner Phantasiewelt bevorzugt. Sein Denken, Fühlen, Empfinden und seine Intuition ist so personifiziert, dass gegenteilige Meinungen ins Unbewusste verdrängt werden und sich nur unzureichend entwickeln können. Das zeigt sich in seiner eigentümlichen Unsicherheit, und einer ständigen Labilität seiner Äußerungen, Urteile und Handlungen. Seine Grundhaltung des Nach- innen - gekehrt - Seins ist unübersehbar. Die Orientierung im Leben ist er selbst, andere werden von zweitrangiger Bedeutung. Ein zweifelnder Mensch zieht sich in fast allen gegebenen Lebenssituationen im ersten Moment zurück, als würde er unhörbar NEIN sagen - dann erst kommt er zum eigentlichen Reagieren. Je mehr sich dieser Mensch bewusst Freiheiten zu sichern sucht, unabhängig, überlegen und ohne Verpflichtung zu sein, desto stärker wird er in Wirklichkeit mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Freiheit des Geistes hat er ja an die Kette der Unabhängigkeit gelegt. Selbst seine moralischen Werte geraten in den Sumpf minderwertiger Beziehungen. Aus diesen Erfahrungen entwickelt sich schrittweise eine seltsame innere Spannung, die er jedoch keinesfalls zeigen oder anderen zugänglich machen möchte, denn besonders ist ja seine Subjektivität ausgebildet.

      Zweifel kann auch ein sicherndes Moment haben, mit dem Zweck, die Verantwortung für das Nichtbewältigen einer Aufgabe abzuwälzen. Auf diese Weise gerät der Zweifler nicht in Gefahr, sein Persönlichkeitsgefühl überhaupt zur Debatte zu stellen. Er wird die verschiedensten, nebensächlichsten Umstände dafür einbringen, warum eine zu lösende Aufgabe, ungelöst bleiben muss. Jeder Schritt in Richtung auf die Lösung einer Aufgabe kann ja über den Wert oder Unwert seiner Person entscheiden. Doch diese Entscheidung will er lieber in der Schwebe halten. Zumindest kann er mit dieser Haltung vor sich selbst gut dastehen, und den Schein wahren alles getan zu haben. Sein eigenes Streben nach Überlegenheit hindert ihn daran, sich durch Aufgabenlösung mit anderen wohl zu fühlen und im Sinne allgemeinen Nutzens zu handeln. Ohne zu wissen warum, wird er müde und erschöpft, oder er gerät in Eile, die ihn allerdings gar nicht vorwärts bringt. Er kommt einfach nicht zu Kräften und verschiedene Beschwerden aller Art treten auf, doch kann er sich dazu kaum näher äußern. Alle diese Erscheinungen dürfen so verstanden werden - die konkrete Aufmerksamkeit von der wahren Sachlage - abzulenken. In diesem Verhalten kommt deutlichst zum Ausdruck, dass der Zweifelnde einen echten NEINSAGER verkörpert.

      Um einen zweifelnden Menschen erkennen zu können ist jedes Wort, jede Geste, jeder Gedanke, jedes Gefühl wichtig. Jeder Ausdruck führt uns in die dieselbe Richtung zu einem Motiv, zu einer Melodie, um die herum die Persönlichkeit errichtet ist. Durch diese Betrachtungsweise treten Symptome in den Hintergrund. Nicht wie, sondern dass der Zweifelnde den Lebensaufgaben ausweicht ist wesentlich, deshalb sollte er auf das Wesentliche hingeführt werden. Vorrangig ist dabei zu berücksichtigen, dass dieser Mensch dem Leben gegenüber in die Defensive geraten ist. Er hat kaum lernen können sein Leben kooperativ und aktiv zu gestalten. Gute Ratschläge, Aufforderungen oder Appelle an seinen guten Willen sind daher überhaupt nicht hilfreich. Vielmehr geht es darum, eine Verstehensarbeit mit ihm gemeinsam zu entwickeln. Im tiefsten Innern ahnt der Zweifelnde, dass er Lebenssituationen nur halb bewältigt hat oder ihnen ausgewichen ist. Doch hier liegt der Quell für all sein Leid und seine Betroffenheit. Erst durch die wahre Erkenntnis seiner Zurückhaltung kann echte Aktivität folgen.

G I E R

      Hier liegt die Beurteilung in der Definition: unbeherrschtes Verlangen, Unersättlichkeit, Habsucht. Sowohl das hebräische Verb chamádh als auch das griechische Verb epithyméo >begehren< bedeutet. Manchmal mögen diese Wörter je im Zusammenhang den Gedanken eines selbstsüchtigen Begehrens vermitteln. Das griechische Wort pleonexía bedeutet wörtlich: >Mehr haben Wollen< und wird oftmals, als Gier, Habgier oder Habsucht bezeichnet.

      Das Lebensmotte eines gierigen Menschen: Vorfreude ist die schönste Freude. Allein die Vorstellung künftiger Ereignisse wird zu einer geistigen Bereicherung. Die Erfüllung eigener Bedürfnisse steht dabei absolut im Vordergrund, ohne Rücksicht auf Wünsche oder Bitten anderer Menschen. Konflikte - unangenehme Ereignisse werden ziemlich rasch vergessen. Kommen unangenehme Gefühle auf, werden diese garantiert durch positive Gedanken ersetzt. Glücklichsein und das Leben in vollen Zügen genießen ist ihr Ideal. Alle Denkenergie richtet sich auf Planung von schönen und genussvollen Ereignissen. (Selbststimulierung) In der Erfüllung dieser Bedürfnisse ist die eigentliche Gier begründet. Das idealisierte Selbstbild ist das eines glücklichen Menschen, dem es meistens gut geht. Solange es positive Optionen im Leben dieses Menschen gibt, fühlt er sich auch wohl.

      Es fällt nicht leicht, die Sorgen und Befürchtungen des Lebens bei diesem Menschen zu erblicken. Doch normalerweise haben auch diese Menschen eine Ahnung davon, dass sie innere Abgründe haben, die sie jedoch offen zu betrachten, vermeiden wollen, weil sie ja mit den schmerzhaften Seiten ihres Lebens verbunden sind. Diese Furch, dann in gerade diesen Abgrund stürzen zu können, zeigt eine deutliche Grundverunsicherung. Das wirft deutlich die Frage auf: bin ich hier ganz sicher, auch wenn es mir schlecht geht - oder die tiefe innere Überzeugung, dass dann Gefahr lauert und es keinen Halt mehr gibt?

      Schwer wird es für diesen Menschen mit Vorschriften. Wenn der Einfluss von außen der eigenen Bedürfnisbefriedigung Gier entgegensteht, wird dieser ignoriert und unterlaufen. Jedoch wird es selten eine offene Auseinandersetzung. Er ist davon überzeugt, dass es eine angenehmere eigene Art gibt seine Pläne zu verwirklichen.

      Für einen gierigen Menschen ist es daher recht schwierig, den eigenen Zugang zur Tiefendimension zu bekommen, weil er gerade Tiefe, wo Schmerz lauert vermeiden will. Die Aufforderung, durch Selbstprüfung an tiefe Verletzungen oder auch verschüttete Sehnsüchte zu gehen, empfindet dieser Mensch etwa so, als würde er aufgefordert werden, sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Er brauch Zeit und Vertrauen, emotionale Sicherheit, um an diese schwierigen Themen heranzukommen; wenn er sich überhaupt auf eine Selbstprüfung einlasst. Dazu gehört auch die konkrete Begegnung mit Fremden. Vertrauen ist eng mit Glauben verbunden, und geht von der ursprüngliche Haltung für Verlässlichkeit aus. Die Bereitschaft, Neues zu beginnen liegt sozusagen in der eigenen Empfänglichkeit seines Urvertrauens.

      Mit dieser Erkenntnis wird auch recht deutlich, dass sich vieles ändern kann, weil es nicht kongruent mit der gelebten Wirklichkeit ist. Es existieren Einflüsse, die er nicht sehen kann, deren Auswirkungen er jedoch oft spürt. Seine Furcht vor den problematischen Seiten seines Innenlebens führt dazu, sich meistens durch die Sonnenseite abzulenken. Gleichzeitig ist eine Sehnsucht in persönlichen Beziehungen vorhanden, diese Furcht zu überwinden. Er wünscht sich zutiefst auch im Schmerz - Sicherheit, Beistand und Schutz durch andere. Eine Beziehung in der dies möglich wird, hat verbindlichen Charakter. Er wird kaum darum herum kommen, einen Bewusstseinssprung zu tun, der ihn vom WENN - DANN Denken zum SOWOHL - ALS - AUCH führen wird. Das Sehen der Augen, das Hören der Ohren, das Atmen der Luft erstattet dem Herzen Meldung. Das Herz ist es, was Erkenntnis hervorbringen lasst. Die Zunge ist es, die ausdrückt, was vom Herzen erkannt wird. Durch diese Art Reflektion, die gleichzeitig Projektion ist, kann wahre dauerhafte Harmonie geschaffen werden. Dies ist ein langer Prozess, da alte Überzeugungen, Standpunkte aufgegeben werden müssen. Dann ändert sich dieser Mensch zu dem, was er in Wahrheit werden möchte.

      Um dieses Ziel zu erreichen ist es notwendig, nicht an der oberflächlichen Ebene zu bleiben. Dadurch gräbt sich dieser Mensch seine eigene Falle, es entsteht Unverbindlichkeit und Bindungslosigkeit. Es gibt so keinen Halt und keine Sicherheit in der Beziehung. Durch das gierige Wunscherfüllungsprogramm werden all zu oft die Wünsche anderer unter den Teppich gekehrt. Dieses Vermeidungsverhalten ist Gift für eine Beziehung. In solchen problematischen Lebenssituationen, wo für andere das Leben echt schwer wird, fühlt sich dieser Mensch oft überlegen. Dann versucht er sogar seine Vorstellungen einer gelungenen Lebensführung nahe zulegen. Werden die emotionalen Schwierigkeiten zu stark in einer Beziehung, folgt postwendend sein Rückzug. Dennoch ist dieser Mensch nicht nachtragend und immer bereit, anderen eine Chance zu geben.

      Die objektive Not, welche diesem Menschen zugrunde liegt sind schmerzliche Erfahrungen, wenn es ihm schlecht geht - er den Boden unter den Füssen verloren hatte. Wenn ein Mensch echte Probleme hat, braucht er mehr Zuwendung, Pflege als sonst, dann ist eine Bezugsperson mehr gefordert als sonst. Aus irgendeinem Grund hat sich im Erleben dieses Menschen die Überzeugung festgesetzt, möglichst wenig > auffällig < zu sein, um objektiv vorherrschenden Ärger nicht noch zu schüren. Gleichzeitig mussten sie wohl schon als Kinder, tapfer und ohne Tränen, mit Kummer und Schmerz umgehen. Um diesen Schwierigkeiten zu entfliehen wurde eine Art Überlebensstrategie entworfen, so gut wie möglich durchs Leben zu kommen. Ist das objektiv nicht möglich, hilft das Denken und Planen von angenehmen Ereignissen über diese Durststrecke hinweg. Ganz nach dem Motto: ich mache mich selbst glücklich.

L U S T  

      Dieser Mensch nimmt gewöhnlich in erster Linie die starken und sicheren Seiten seines Selbst wahr. Eine volle Beleuchtung dieser Seiten zeigt eine ausgeprägte und überentwickelte Bauchenergie. Das Lebensmotto: Ich bin stark und gerecht und trete für Schwächere ein. So ist dieses Selbstbild eine energievolle Außendarstellung. Die Unterscheidung zwischen gut und schlecht, zwischen Freund und Feind ist charakteristisch. Nuancen und Zwischentöne sind selten erkennbar. Der Freund wird beschützt, der Feind angegriffen. Diese Positionierung zeigt sich bereits in kleinsten Meinungsunterschieden.

      Zu den eigenen verletzlichen und schwachen Seiten findet dieser Mensch wenig Zugang. Sie sind sowohl nach außen, als auch vor ihm selbst abgeschottet. Ganz sensible Gefühle und Herzschwingungen werden sehr selten zugelassen. Eine tiefe Sehnsucht besteht in persönlichen Beziehungen darin, Dasein zu können. Platz zu haben, ohne einen Schutzpanzer. Das wird möglich, wenn gleichwertiger Respekt eingebracht wird. Je mehr sich nämlich dieser gutmütige Elefant im Porzellanladen emotional abschottet, je dicker seine Haut wird, desto größer der Scherbenhaufen. Eine realistische Sichtweise, wie andere durch sein Verhalten reagieren wird völlig blockiert. Das eigene mangelnde Einfühlungsvermögen wird zum Gewalttäter. Dieses starke Bewusstsein ist mit Sicherheit durch den inneren Schutzpanzer ausgeprägt. Die nach außen gerichtete Aufmerksamkeit soll ja gerade mögliche Bedrohungen rechtzeitig abwehren. Zu dieser Realisierung werden die Schwachstellen anderer außergewöhnlich wahrgenommen. Angriff ist die beste Verteidigung, bevor eigener Schaden entsteht. Solange die Außenwelt unter Kontrolle ist funktioniert die Abwehr perfekt. Daher ist auch Kontrolle, was nichts mit Neugier zu tun hat, ein zentrales Thema, weil mit ihr die Machtposition gesichert werden soll. Durch Logik und Scharfsinn über das Für und Wider sind seine Schlussfolgerungen allgemein gerecht und genau. Doch die Neigung, nach persönlichen Schattierungen und gefühlsmassigen Verwicklungen zu forschen ist selten festzustellen. Tatsachen und diese allein genügen ihm. Eine tiefe Durchdringung und Erkenntnis zum besseren Verständnis, würde nur sein klares Bild das er hat, trüben. Tiefgreifendes Untersuchen liegen ihm nicht. Dadurch entstehen unweigerlich Schwierigkeiten, weil das Verlangen anderer, wirklich verstanden zu werden, nicht erkannt wird.

      Durch das Nichtspüren von Herzensbedürfnissen vertritt ein Mensch mit dieser dominierenden Leidenschaft die Ansicht, auch keinen anderen Menschen wirklich zu brauchen. Eine Kontaktaufnahme erfolgt kaum für sich selbst, sondern für andere oder gegen andere. Zur grundsätzlichen Verfügung stehen zwei Strategien:

1. Personen die als schwächer, feinfühliger oder schutzbedürftiger angesehen werden. Hier wird der starke Arm gereicht durch Halt und Schutz.

2. Bei gleichwertig eingeschätzten Personen kommt die lustbetonte kämpferische Leidenschaft zum Einsatz. Hier zeigt sich die ganze Härte und Strenge mit dem Willen zu dominieren.

      Wer eine emotionale Pflege nicht vornimmt, wird eine besonnene Lebensführung kaum integrieren können. Kooperation ist in diesem Sinne unterentwickelt und dieser Mensch wird wo immer er kann, in seiner eigenen Selbstherrlichkeit den Mitmensch zum Objekt machen wollen. Seine eigene Urheberschaft an Streit, Ärger und wechselseitigen Anfeindungen sieht er selten. Doch gut zu beobachten sind die eindeutigen, eigenen persönlichen Grenzen. Auch dadurch ist eine emotionale Verletzbarkeit durch andere sehr reduziert. Mühe hat dieser Mensch mit den Grenzen und Gefühlen anderer, wenn diese nicht deutlich gezeigt werden. Wenn einmal keine lustvolle Kampfsituation gegeben ist, herrscht seine Fähigkeit zur Beobachtung: er ist gutmütig. Durch geleistete Unterstützung, will er dann durchaus von Großzügigkeit sprechen. Das Macht- und Kontrollthema kommt im Kontakt mit anderen unübersehbar an, was unbestritten intime Beziehungen erschwert. Oft zeigt sich dieses Verhalten durch Provokationen und Anheizen von heiklen Situationen. Das kann recht unangenehm werden, denn es geht darum, seine lustvolle Position Macht zu beherrschen. Ein gut gemeinter Vorschlag des Beziehungspartners, er möge sich doch bitte nicht so ereifern und aufregen, wird mit der Antwort schlicht zerstört: ich rege mich niemals auf, dafür sorgst du immer!

      Das ist die harte Schale dieses Menschen, der weiche Kern dahinter zeigt sich nur dann, wenn eine Vertrauensbasis aufgebaut wird. Eine gewisse Sicherheit muss vorliegen, um standzuhalten ohne Fixierung oder Starrheit. Standhalten bedeutet in diesem Sinne, sich nicht von Meinungen hin- und her reißen zu lassen, sich nicht verwirren zu lassen. Immer zu wissen, wer man ist. Dieses Unterscheidungsvermögen, in jedem Moment bewusst. Zu wissen was geschieht, ohne dabei Angst zu haben, nicht freundlich genug oder sympathisch anzukommen, ist lernbar.

      Es ist ein großer Fehler unbedingt Anerkennung zu suchen, immer von seinen Mitmenschen geliebt werden zu wollen. Denn wer geliebt werden möchte, ist oft zu schnell bereit, die Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. Eine Täuschung als Täuschung zu erkennen, bei der Wirklichkeit zu bleiben, ohne vor ihr zu fliehen wird somit sehr nützlich. Nun wird sicherlich besser verständlich, wie schwierig seine Problematik ist, wenn sein praktiziertes Vermeidungsverhalten durch andere gestört wird. In keiner Weise soll der Eindruck erweckt werden, dass diese Betrachtung nur auf rationaler Ebene stattfinden darf. Ein vielfältiger Austausch zwischen emotionalen und rationalen Vorgängen sind für diesen Menschen notwendig. Sehr wohl geht es um Fragen, warum lebe ich, was ist wahre Liebe, wer bin ich, über Sinn und Ziel des Lebens. Wenn seine Bauchenergie über die Vernunft herrscht bedarf es der Einheit als Basis. Einer Einheit von Körper und Geist, aus der Mitte seines Selbst heraus. Sein innerer Kern weiß in jedem Augenblick, welche Nahrung seine Einheit braucht. Kommt jeder Teil in jedem Augenblick zu seinem Recht, hört die innere Zwiespältigkeit und Zerrissenheit auf. In diesem Moment kann das Bewusstsein sich selbst und den anderen erkennen, so wie die Verhältnisse wirklich sind.

T R Ä G H E I T

      Ein Mensch, dessen Haltung dem Leben gegenüber durch Trägheit gekennzeichnet ist, hat immer hohe Erwartungen an sich und seiner Umwelt. Seine Betrachtungsweise einer idealtypischen Abstraktion zeigt jedoch nur eine individuelle Seite der Realität. Trägheit hat wie andere Leidenschaften auch, unterschiedliche Erscheinungsformen. Sie reichen von Ängstlichkeit, Mutlosigkeit bis zur Unbeweglichkeit. In diesen Formen wird das eigenständige Denken vernachlässigt und anderen überlassen. Sein echtes Gefühlsleben ist stark gedämpft, weder äußere noch innere Erlebnisse bringen ihn aus seiner Ruhe. Diese Leidenschaft ist nur schwer zu erregen, und zu etwas zu bewegen. Seine Ruhe und Behäbigkeit lassen ihn meistens auch unauffällig erscheinen. Selten ist ihm selbst seine Entschlussunfähigkeit und Lässigkeit unangenehm. Er besitz doch Größe genug, um sich selbst zu beherrschen und damit über die menschlichen Schwächen zu lächeln. In dieser Haltung offenbart sich deutlich ein Stück Flexibilität an Mitgefühl eines bequemen Genießers oder stillen Gemütsmenschen.

      Die Grundüberzeugung dieses Menschen: wenn ich mein Eigenes zurückhalte, kann es keine unangenehmen Probleme mit anderen geben, um anstrengende Mühe aus dem Wege zu gehen; denn sie lohnt sich nicht ! Er kann der eigenen Kraft und Stärke nicht instinktiv richtig folgen. Sein Autonomiethema soll scheinbar dadurch gelöst werden, dass er sie aufgibt. Zwar ist sich dieser Mensch seiner Bedürfnisse und Wünsche oft bewusst, kann sie jedoch nicht nach außen tragen, er fühlt sich geradezu ausgelastet durch die ganz persönlichen Sorgen seiner leiblichen Genüsse. Je intensiver er sich jedoch mit seiner Gedankenwelt beschäftigt ist zu beobachten, wie bescheidener seine Realität aussieht. Seine Identität zieht er einzig aus seinen Vorstellungen und nicht aus dem lebendigen Austausch mit seinem Umfeld, die ihm Anerkennung und Bestätigung, als auch Korrektur seiner Auffassungen einbringen könnte. Die größte Schwierigkeit besteht für ihn darin, zu sagen: ICH will...! Dadurch entsteht ja möglicherweise ein gedachtes Risiko, dass sich andere gegen ihn stellen könnten, was ihn peinlich wäre und sehr beschämen würde. Dann wird sein Selbstbild eines höflichen und friedfertigen Menschen der niemanden etwas böses will angegriffen. Er hütet sich ängstlich vor bedrohlichen Konflikten außerhalb seiner Idylle.

      Es ist eine Neigung zu beobachten, dass er sich selbst herabsetzt und alle anderen wichtiger nimmt als sich selbst. Auch fremde Meinungen und Gedanken scheinen ihm oft wichtiger zu sein als die eigenen. Durch ein gutes Einfühlungsvermögen geht oftmals der eigene Standpunkt im Dialog verlustig, denn im Widerstand spürt sich dieser Mensch am deutlichsten. Wenn er unter Druck gerät oder andere etwas von ihm wollen, was er nicht will, kann er seine ganze Energie in eine passiv- trotzige Abwehr stecken. Nicht selten, wenn dieses innere Bollwerk aufgebaut ist, folgt sogar augenscheinlich seine Trägheit und er bewegt sich kaum von der Stelle. Er wird träge für Eroberungen unbekannten Terrains und verharrt lieber beim Althergebrachten und Gewohnten.

      Im Kontakt ist dieser Mensch in der Regel der passivere Teil. Er lasst andere auf sich zukommen und überlässt anderen gerne und zuvorkommend die Initiative. Die Angewohnheit andere entscheiden zu lassen hinterlasst ihm ein gutes Gewissen, wenn hinterher nicht alles klappt. Dann ist sein Argument: Du hast ja die Entscheidung getroffen, nicht ich! Dennoch identifiziert sich dieser Mensch mit großem Einfühlungsvermögen und kann absolutes Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche dem anderen entgegenbringen. Die Identifizierung kann so optimal sein, dass er die Empfindungen des anderen im wahrsten Sinne des Wortes selbst spürt, als wären es die eigenen. In solchen Momenten gibt es auch keine Grenzen oder Abgrenzungen mehr zwischen ICH und DU, es entsteht Harmonie, Ruhe und völlige Entspannung.

Wird jedoch sein Eindruck erweckt, der andere will ihn vereinnahmen, kann große Wut entstehen. Dann explodiert aufgestaute, zurückgehaltene Bauchenergie. Doch zeigt sich diese Reaktion selten sofort verbal. Zumeist äußert sich die Wut in passivem Widerstand. Die Sehnsucht nach Eigenständigkeit und die Befürchtung übergangen zu werden ist groß. Der eigenen Trägheit zum Trotz möchte dieser Mensch wichtig genommen werden, was auch tatsächlich passiert, er jedoch unter dem Einfluss von Bedrückung (Drang von außen) nicht empfinden kann. Doch sein eigener Trotz bremst jeden Schwung und jede Dynamik. Seine Aktivitäten werden zu einer verführerischen Scheinaktivität. Ähnlich motiviert ist auch die Haltung, sich als Opfer der Umstände zu sehen, wenn garantiert die eigene Willenskraft mit allen guten Vorsätzen bislang nicht ausgereicht hat. Diese heftigen Affekte erschüttern diesen Mensachen, was ihn veranlasst, entstandene Probleme unter den Teppich zu kehren, statt in vertraulichen Gesprächen um eine akzeptable Lösung für alle zu ringen. Somit bringt er sich selbst um die Erfahrung in komplizierten Lebenssituationen ein befriedigendes Erfolgserlebnis zu erzielen. In der Hoffnung, dass Geschehnisse ja Zeit haben, dass sie sich durch Liegenlassen vielleicht von selbst erledigen, wartet er erst einmal ab. Gelingt es ihm, nur lange genug zu warten bis andere dann tätig werden, bekommt er in seiner Erwartung- und Anspruchshaltung wieder Bestätigung und sicheren Auftrieb. Seine Tendenz, ganz realen Anforderungen auszuweichen wird zum charakteristischen Merkmal. Er wird nimmer träge im Erfinden kleiner Ausreden, die erklären, warum dies oder das nicht mehr zu machen ist. Auch glaubt er an seine Entschuldigung ernsthaft, und ist immer wieder höchst verwundert, dass er sie benötigt, denn in seiner Gedankenwelt sind ja seine Taten bereits vollbracht. Solange er sich die Ausflucht von: das könnten wir ja machen, doch... erhält, bewegt ihn ein Allmachtsgefühl, gegen das jeder reale Vorschlag verblassen muss. Es schließt sich hier ein Widerstreit von Machttäuschung einerseits und Unwissenheit auf Grund fehlender Erfahrung andererseits. Beide Komponenten stehen in Proportion zueinander: je geringer seine Erfahrung durch Übung - desto umfassender seine Erwartungshaltung. Wahrscheinlich ist, dass solche Erwartungshaltungen tatsächlich aus den eigenen Ansprüchen stammen.

      Diese Gedankenwelt ist nicht vorstellbar, ohne ständig neue Nahrung. Sie kann nicht aufrechterhalten werden, wenn die kontinuierliche Absicherung im gedanklichen System der Phantasie fehlt. Der von Trägheit geleitete Mensch sagt sich: So hektisch zu sein wie andere ist nicht gut, ich bin viel gemütlicher; ich schone mich lieber, damit ich nicht krank werde. Eine Unterstützung dieser Einstellung kann auch durch Umwertung seiner Eigenschaften erfolgen. Er schätzt sie dann als Tugend ein, wie beispielsweise Bescheidenheit. Für ihn ist es weit sicherer und bequemer, gar nichts zu fordern oder zu wünschen, ganz und gar anspruchslos zu scheinen und bei seinen Mitmenschen sogar als sittsam zu gelten. Seine Inaktivität ist besonders dort zu finden, wo der Ausgang einer Angelegenheit eventuell seine Schwächen ans Licht bringen könnte. So mag sein Leben vielleicht überschaubar sein, doch die eingeengte Sichtweise wirkt sich auf Dauer lähmend aus. Das kann zur Folge haben, dass dieser Mensch seine Zuflucht zu immer neuen Konsumgütern, Zeitungen und Fernsehen nimmt, um dem täglichen Einerlei zu entkommen. Durch Vermeidung liebender Zuneigung verkennt er seine vermiedenen, wahren Bedürfnisse nach Zuwendung. Aus seiner Erwartungshaltung geliebt zu werden, kann es auch passieren, dass er sich erlebnishungrig in Abenteuer stürzt. Doch dauerhaftes Glück kann nicht auf direktem Wege erzielt werden. Es ist ein qualitatives Nebenprodukt einer konstruktiven Entwicklung. Glück ist eine Zugabe für eine gelungene Selbstverwirklichung, was zusammengefasst als Liebe bezeichnet werden kann.

      Die Fähigkeit sich und andere zu lieben entscheidet über die Organisation des ganzen Lebens. Erst ein ausgeglichenes Verhältnis von Aktivität und Bequemlichkeit kann zur Lösung innerer Spannung führen. Der Unterschied besteht zweifellos vom manifesten Verhalten der Aktivität, das auf direktem Weg zur Befriedigung gelangt, und dem Umweg über die Phantasie, indem sich das passive Ich in der eigenen Vorstellung bereits an das Ziel seiner Wünsche versetzt. Diese Feststellung weist auf eine Kontinuität hin, welche der zentralen Begrifflichkeit von Gemeinschaftsgefühl wenig entspricht. Der träge Mensch mit dumpfer Abwehr und passiven Widerstand erlebt oft keine Aussicht mehr, seine Wünsche zu erfüllen und verzichtet buchstäblich auf sie. Die Freuden des Lebens werden zum Tabu gemacht. Auftretende Schuldgefühle werden unbewusst vermieden, weil sie sich kaum dauerhaft ertragen lassen. Er verschanzt sich hinter seinem Trotz und seiner Ruhe. Letztendlich erfolgt überhaupt keine Reaktion mehr auf ursprüngliche Anregungen oder Bestrebungen. So erhält er sich eine starke Zartnervigkeit und Leidensfähigkeit hinter einem dicken Panzer der Abwehr. Ein besonderer Kreislauf entsteht: er benimmt sich anders, ist besonders vorsichtig, ängstlich, hilflos anzusehen, zurückhaltend. All das empfindet dieser Mensch und noch Furchterregender erlebt er diese veränderte Lebenssituation. So wird sein Hang zur Passivität zunehmend bejaht, was zur echten Trägheit führt. Doch Mitmenschlichkeit ist die existenzielle Grundlage, wie jedermann seine Lebensaufgaben bewältigt. Erst der vorurteilsfreie Kontakt mit allen Mitmenschen führt zum Urvertrauen und Kooperationsfähigkeit kann sich entwickeln.

P R I N Z I P I E N ZUR LENKUNG VON GEFÜHLEN  

      Das menschliche Bewusstsein ist die bloße Oberfläche unseres Geistes. Diese Oberfläche glauben wir gut zu kennen, doch viel wichtiger ist der Untergrund. Im bewussten, oder unbewussten Verstand lagert der Wille. Er ist die beharrlich begehrende Lebensenergie, die Urtätigkeit des menschlichen Verlangens. Manchmal scheint der Verstand den Willen zu leiten. Nichts ist verdrießlicher, als sich mit Beispielen und Veranschaulichungen zu verausgaben, sich aller Mühe wahrer Überzeugung hinzugeben, um letztlich festzustellen, dass der Zuhörer gar nicht verstehen will! Demnach haben wir es mit seinem Willen zu tun, und die eigentliche Logik hat wenig Nutzen, weil mit ihr keine Überzeugung möglich wird. Die Logik kann sozusagen nur als Empfänger von Informationen dienen. Für Überzeugungen ist ein eigenes inneres Interesse, der Wille entscheidend. Der Wille ist so weit zu fassen, dass er Vorgänge des eigenen Strebens bedeutet und durch persönlichen Antrieb auf ein Ziel gerichtet ist. Im engeren Sinne ist der Wille ein seelischer Vorgang, durch den, oft auch gegen alle Widerstände, die Verwirklichung gesetzter Ziele bestimmt wird. Dem Wesen nach, lasst sich der Wille auf keinen anderen seelischen Vorgang zurückführen und ist in seiner Funktion eine eigenständige Tatsache. In der Konstellation dieses Konfliktes, bei der Begegnung mit Widerständen der Innen- und Außenwelt, beginnt die Entwicklung des Willens.

      Es ist nicht die Bestimmung des Verstandes (dafür ist er nicht geschaffen) über das wahre Sein der Dinge zu entscheiden; denn diese Zuständigkeit liegt im Willen. Allein was dem Bewusstsein Einheit und Harmonie gibt, ist der Wille. Er kann alle Vorstellungen und Gedanken zusammenhalten. So unterliegen auch charakterliche Eigenschaften, Leidenschaften der willentlichen Bedürftigkeit, und nicht dem Verstand. Der Wille offenbart sich in zusammenhängenden Zwecksetzungen und Stellungnahmen. Bei einer willentlich richtigen Entscheidung ist das >> Herz << dem >> Kopf << vorzuziehen, weil es sich nichts ausgeklügelt hat. Das > gute Herz, der gute Wille < ist verlässlicher, treuer und tiefer, als ein > > kluger, scharfsinniger Kopf <<. Wille ist das Wesen des Menschen. Ist der Wille auch das Wesen des Lebens? Selbstverständlich ist der Wille, der Wille zum Leben, zum Maximum des Lebens. Das existentiell kostbarste ist das Leben ! Dieses Begehren ist unendlich geradezu vollkommen. Der Wille möchte immer mehr greifen als er halten kann. Auf jeden befriedigten Wunsch entfallen mindestens zehn unbefriedigte. Das zeigt sich in der Sinnlosigkeit des Verlangens nach materiellen Gütern. Manche sind der Meinung, sie können ihren Willen vollkommen befriedigen, wenn sie vermögend und gesellschaftlich gut anerkannt sind. Geld allein wird zum absolut besten Bedürfnis. Ein Leben jedoch das dem Geldwert dient ist nutzlos, ohne Wille es in Glück umzuwandeln. Das ist nämlich eine Kunst die Weisheit erfordert.

      Der ideale Lebenszweck muss erkannt und verstanden werden. Tausendmal mehr bemüht sich der Mensch um Gelderwerb, als um Geistesbildung zu erwerben. Doch ganz unbestritten: Kein Reichtum, sondern Weisheit ist die richtige Lebensentscheidung. Das Ignorieren dieser Tatsache kann gelegentlich die Antwort vom Intellekt sein. Er versagt den Gehorsam in dieser Hinsicht, dem Verlangen des Willens. Bei solchen Anlassen wird die Verschiedenheit von Intellekt und Wille sehr kenntlich, und macht seine Herrschaft noch besser verständlich. Aus dieser Doppellherrschaft entwickelt sich eine gewisse Gleichgültigkeit, mit welcher mancher Mensch die für ihn wichtigste Entscheidung, einer eigentlich unnötigen Entscheidung vorzieht. Verachtenswürdigste Wagnisse aller Art, überhaupt Dinge, gegen welche sich sein ganzer Wille empört. Doch diese Macht des Verstandes lasst sich ja vorsichtig korrigieren. Durch Erkenntnis werden die eigenen Begierden, Leidenschaften gemäßigt oder auch beruhigt, wenn vorangegangene Umstände zu einem besseren Ergebnis führen sollen. Wie mit den äußeren notwendigen Umständen, so mit der inneren Notwendigkeit versöhnt nichts so fest miteinander, als eine deutliche Kenntnis derselben.

      Im Vergleich zu Erfolgen werden Niederlagen schnell vergessen. Das Gedächtnis ist der Energieträger des Willens. Viel, viel öfter irren wir zu unserem Vorteil, als zu unserem Nachteil und ganz ohne die mindeste unredliche Absicht. Selbst der Unverständigste wird scharf in seinem Verstand, wenn es um sehr angelegene Objekte seines Willens geht. Im Allgemeinen wird der Intellekt durch Gefahren entwickelt, oder durch Notsituationen. Doch bleibt er immer den Begierden als Mittel zum Zweck untergeordnet, im Bemühen den Willen auszuschalten, wodurch weitere Widersprüche entstehen. Niemand ist mehr Irrtümern unterworfen, als jene, die ständig alles aus reiflicher Überlegung tun. Der Verstand ist und bleibt der Minister des Auswärtigen, um den individuellen Willen zu dienen. Seine Aufgabe liegt in der schöpferischen Leistung zur Erkenntnis der Dinge, bis sie Beweggründe des Willens werden können. In seiner lenkenden Funktion erstreckt sich der Wille auf geistige Vorstellungen und das Denken. Überlassen wir uns der Eigenständigkeit unserer Vorstellungen und Gedanken, entsteht eine Unmenge von Einzelinhalten, die ständig aus der Tiefe des Unbewussten frei auftauchen oder durch Anregung von Außen assoziativ ausgelöst werden.

      Die durch den Willen geordneten Vorstellungen hingegen, vollziehen eine Auswahl an Gedanken in Richtung auf ein bestimmtes Ziel. Der Wille vermag es zu bestimmen, wieweit die Verhaltensantriebe der Strebungen und Gefühle für die Lebensführung- und Gestaltung wirksam werden. Auch hier entfaltet sich der Wille als Störungsstelle des seelischen Lebens, denn die Verwirklichung des von ihm akzeptierten Zieles soll sich gegen alle anderen Antriebsregungen und äußeren Widerstände durchzusetzen. Demnach treten verschiedene Antriebe in Konkurrenz miteinander und der Wille hat zu entscheiden, welcher verwirklicht werden soll. Hier unterscheidet sich deutlich die eigentliche Willenshandlung von der Impulshandlung. Nämlich die Bewusstmachung und Fixierung des Zieles, was als Vorsatz bezeichnet werden kann.

      Keineswegs muss das gewählte Ziel in jedem Augenblick des Handlungsvollzugs vorstellungsmäßig gegenwärtig sein, denn das einmal fixierte Ziel wird durch die intime Verinnerlichung wirksam, und wird zur Leitlinie unseres Verhaltens. Selbst wenn die Willenshandlung für kürzere oder längere Zeit durch Unterbrechung unwirksam werden kann, taucht sie wieder auf, um letztlich Verwirklichung zu finden. Das kann sogar völlig unbewusst und ohne Vorsatz auftreten. Als tatsächlichen Vorsatz erweist sich ein Ziel erst dann, wenn es Verwirklichung erfährt. Bleibt es hingegen als Vorstellung im Erleben, ohne im Wollen praktiziert zu werden, sind es bloße Wünsche oder Phantasien. Der Zentralpunkt jeder Willenshandlung kann mit recht als >> Willensruck<< bezeichnet werden. Er ist die Bündelung aller psychosomatischen Energien. In dieser Konzentration dürfen wir von der konkreten Organisation des praktischen Handelns sprechen. Dies bleibt immer der komplizierteste Fall einer Wahlhandlung. Mit der Entscheidung erhält das Motiv unseres Handelns eine bestimmte Profilierung. Dabei ist unser Motiv, das wir in der Entscheidung dem Handeln zugrunde legen, nicht tatsächlich immer das Nützlichste. Wenn wir ein Motiv unserer Handlungen anerkennen, so ist es vorstellbar, dass wir uns über den wahren Zusammenhang täuschen. Es ergibt sich die Frage, ob der Wille schon bei der Wahl einer Entscheidung, durch die die Konkurrenz der Motive zum Abschluss gebracht werden dürfen, wirksam ist? Psychologisch betrachtet handelt es sich bei dieser Frage um die > Willensfreiheit<. Im Hinblick auf den Vorgang zur Wahl von Entscheidungen für den Willen, gibt es nämlich zwei Möglichkeiten:                                                                                

      A - die Entscheidung als Konkurrenz der Motive im Verhältnis zu den verschiedenen Möglichkeiten des Verhaltens beruhen lediglich darauf, dass ein bestimmtes Motiv durch Überlegung der Folgen der zur Wahl stehenden Verhaltensmöglichkeiten, ihrer Zweckmäßigkeit und auch Vertretbarkeit in einem hohen Masse gestärkt wird, und sich gegen andere durchsetzt. In diesem Fall kann der Wille nur dem stärksten Motiv zur Verwirklichung verhelfen. Er hat lediglich eine ausführende, organisatorische Funktion. Im konkreten Bezug auf diese Entscheidung ist der Wille unfrei, weil durch die Antriebserlebnisse eine Entscheidung getroffen wird.

      B - als Innenminister entscheidet der Wille gleichsam über die konkurrierenden Motive. Der Wille gibt dem einen, wie dem anderen Motiv den Vorzug. Er bestimmt völlig souverän in Freiheit, was im wirkenden Verhalten passiert, oder geschehen soll, und hat somit konkret Einfluss auf Zustände und Tatsachen unseres Lebens. Dies ist die höchste Form der Willenshandlung, um eine möglichst große Vielseitigkeit von Gesichtspunkten zu erschließen.  

Wenn wir festhalten, dass Entscheidungen zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten keine Sache des Willens ist, sondern seine Funktion auf die Durchführung einer durch Antriebe selbst getroffenen Entscheidung wirksam wird, wenn wir sagen, ein jeder handle so, wie es ihm von seinen Antrieben zugeordnet wird, dann können wir auch sagen, dass der Begriff Verantwortung jegliche Berechtigung verliert. Dann wird nämlich unser Gewissen als Träger der Verantwortung zu einer Fiktion, welche die wirklichen Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt. Das Gewissen appelliert immer am Willen, sofern er als frei gesetzt wird - sowohl vor einer Tat als auch nach ihr. Dieser Appell hat seinen Nutzen und Sinn; wenn alle denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft werden, das eine als auch das andere zu tun. Ohne Anweisung des Gewissens bleibt der Wille untätig. Jede Wahlhandlung hat ja in seinem Vorstadium eine Konkurrenz der Motive, welche erst durch einen gewissenhaften Entschluss beendet werden. So hängt zunächst einmal jede Willensartung vom Gewissen ab, und von der Fähigkeit sich zu entschließen. Wie wichtig die Frage nach Entschlussfähigkeit ist, wird durch die Tatsache erhellt, dass es Menschen gibt, die deshalb wenig konstruktiv handeln, weil sie zwischen den Möglichkeiten der Lebensführung und Lebensgestaltung zu wählen keine Erfahrungen realisieren wollen. Es fällt ihnen schwer den Akt der Wahl von sich aus zum Abschluss zu bringen. Das ist der Grund, gerade diesen Akt immer wieder hinauszuschieben. Sie verhaaren lieber im Schwebezustand der der Entschlusslosigkeit. Aus dieser Verlegenheit heraus werden Entscheidungen von äußeren Dingen abhängig gemacht. Oft ist zu beobachten, dass sich gerade diese Menschen durchaus konsequent, nachhaltig, und anstrengungsbereit in der Zielverfolgung zeigen; wenn ihnen die Schwierigkeit an Entscheidungen durch andere abgenommen wird. Dadurch ist die Wirksamkeit des Willens unterbrochen und der Mensch ist nicht frei!

      Finden wir bei Menschen ein Unvermögen sich zu entscheiden, um zu einer einheitlichen Haltung zu gelangen, wird für ihn von besonderer Bedeutung, sich darüber klar zu werden, ja zu wissen, dass seine Entschlussunfähigkeit keine charakterliche Eigenschaft ist, sondern auf strukturell verschiedene Wurzeln zurückzuführen ist. Eine dieser Wurzel liegt im Bereich seiner Strebungen oder Wünschbarkeit seines Daseins. Jeder Entschluss fordert jedoch Opfer an Möglichkeiten. Die Handlung tritt durch die Macht eines entscheidenden Beweggrundes aus der Fülle des Lebens in die Einseitigkeit. Wie sie auch ausfällt, zeigt sie immer nur einen Teil unseres Wesens. Am Anfang seines Lebens ist der Mensch mit Weitgespannten Möglichkeiten begabt. Nur durch die dehnbaren Grenzen seiner ererbten Anlagen ist seine Entwicklung beschränkt. In jedem Augenblick muss er eine Wahl treffen, und jede Wahl des Augenblicks verhindert eine andere Möglichkeit. So beinhaltet jede Wahl mehrere Wege, die als Lebensweg offen stehen. In potenzierter Bedeutsamkeit wird diese Wahrheit in der Wahl von Freunden und des Lebenspartners erlebt. Sich entschließen bedeutet immer ein Verzicht. Je mehr ein Mensch nicht zu verzichten bereit ist, so vielfältiger sind seine Strebungen. Sie wollen das eine tun, und das andere wollen sie nicht lassen. Letzten Endes wissen sie gar nicht mehr, was sie tun wollen und drehen sich im Kreis ihrer Vorstellungen des Möglichen und Wünschbaren. Sie wollen sich der Erkenntnis der gesetzten Forderung des Verzichtes entziehen, das dem zu Entscheidungen notwendigen Wesens untersteht. Je mehr diese wirksamen Strebungen in Konkurrenz oder Widerstreit stehen, um so geringer ist die Aussicht, die zur befriedigenden Entscheidung führt. Es gibt wohl nichts traurigeres, als ein unentschlossener Mensch, der zwischen zwei Empfindungen schwebt, zu gern beide vereinen möchte und nicht begreifen will, dass nichts beide vereint als der ständige Zweifel. Seine eigene innere Spannung ist es, die ihn peinigt und beunruhigt, mit allen vorstellbaren Konsequenzen.

      Eine weitere Wurzel liegt gegründet in einer Scheu, Verantwortung und ein vollkommenes Risiko zu übernehmen. Die meisten Entscheidungen schließen Risiken niemals aus. Sie zu ergreifen setzt Mut zum Wagnis und die daraus zu entwickelnde Verantwortung voraus. Das bedeutet auch Vertrauen in die eigene Kraft zu setzen. In jedem Fall werden stets alle entscheidenden und wertvollen Handlungen ohne Sicherheit getan! Es gehört sehr wohl zur Eigenart dieser Menschen, sich immer mit Bedenken über den Ausgang und den möglichen Folgen in Form von Zweifel über Recht und Unrecht seines Tuns zu äußern. Klar wird, dass dadurch schon der Boden untergraben wird, auf dem allein ein Entschluss wachsen kann. Dazu gehört gewisse Unbedenklichkeit, die sich kaum damit aufhält, nach Sicherheiten oder Misserfolgen zu fragen. Ein Handelnder bleibt nämlich immer wissendlos, denn er vergisst das Meiste. Während seines Tuns kennt er nur ein alleiniges Recht, ein Recht für das, was im Augenblick werden soll. Zum Handeln gehört vergessen, wie zum Leben nicht nur allein Licht gehört, sondern auch Dunkelheit. Erst ein Überlegen von vielen Eventualitäten schwächt seine Entschlusskraft.

      Auch ist im Bereich des eigentlichen Lebensgefühls eine Wurzel der Unentschlossenheit zu erkennen. In Folge einer gedrückten Lebensstimmung ist der Wille nicht nur insofern geschwächt, dass eine allgemeine Wertverarmung von Antrieben vorliegt, sondern auch dadurch, dass die Vorstellung der Schattenseiten des Lebens, des subjektiv möglichen Unglücks, der Aussichtslosigkeit, der Sinnlosigkeit jeglicher Initiativen, den Menschen in die Unentschlossenheit absacken lasst. Denn alle Wahrnehmungen, Vorstellungen und Gedanken sind an der Realisierung eines im Entschluss gesetzten Zieles wesentlich mitbeteiligt. Die vom Willen geleistete Regulation und Organisation der Wahrnehmungen erweist sich in einer Art willkürlichen Aufmerksamkeit. Erst von der inneren Willenshaltung lasst sich Festigkeit und Entschlusskraft bestimmen, die als endgültig und unwiderruflich gesetzt werden kann.

      Wenn in dieser Weise zwischen Leichtigkeit des Entschlusses, welche durch die Entschlussfähigkeit eines Menschen bestimmt wird, und seiner Festigkeit unterscheiden, so ist dieser Vergleich keine Haarspalterei. Dort wo eine Wahl vollzogen wurde, sind noch keineswegs alle Akten geschlossen, abgelehnte Motive durch aus nicht endgültig außer Kraft gesetzt, weil die Möglichkeit des Versuchs besteht, den Fortgang des beschlossenen Handlungsvollzugs zu stören. Oft sind Entschlussfähigkeit und Entschlossenheit, Entschlussunfähigkeit und Wankelmut charakteristisch miteinander verbunden. Doch gibt es Menschen, die sich zwar rasch entscheiden, ohne letzte Endgültigkeit und Unwiderruflichkeit ihrer Entscheidung. Andererseits gibt es Menschen, welche sich schwer entschließen, dann jedoch mit aller Konsequenz zu ihrer Wahl stehen.

Das Bild eines entschlossenen Menschen zeigt in seiner Lebensführung und Lebensgestaltung eine gewisse Geradlinigkeit. Er ist wohl aus diesem Grunde eher wenig geneigt, nachgiebig zu sein und zu verhandeln. Er geht seinem Ziel gerichteten Weg unbeirrbar, ohne eigentlich nach rechts oder links zu blicken. Der Wankelmütige hingegen, egal ob er seine Wahl rasch und leicht oder nach Phasen des Zögerns getroffen hat, sein Weg ist immer eine Zickzacklinie. Er ist den Einflüssen gegenüber, die sein Handeln motivieren können unsicher. Er selbst leidet unter seinen schwankenden Entschlüssen oft sehr.

E R L E B N I S F Ä H I G K E I T    

Wir Menschen unterscheiden uns nicht nur hinsichtlich unserer einzelnen Gefühlsregungen, sondern auch in Merkmalen ganz formaler Art, wie Erlebnisfähigkeit, Ansprechbarkeit des Erlebens und der Erlebnistiefe.

     Es steht ausser Frage, dass Gefühlsregungen nicht nur äu0erer Anlässe (Begegnungen) bedarf, sondern immer eine gewisse Fähigkeit, ja seelische Kraft zur Voraussetzung in sich trägt. Diese seelische Potenz dient dazu, sich zu freuen oder auch zu ärgern, etwas zu lieben oder zu hassen. In dieser Bedeutung wird die Erlebnisfähigkeit sichtbar. Mit dem Begriff Erlebnisbereich werden spezifische Arten von Gefühlsregungen erfasst. Die Erlebnisfähigkeit beschreibt, wie ein Mensch (abgesehen von thematisch besonderen Gefühlsregungen) imstande ist, gefühlsmäßig zu reagieren, um überhaupt von Dingen und Ereignissen wertmäßig angesprochen zu werden.

Unempfindlichkeit, Gleichgültigkeit und Gefühlsarmut weisen in diesem Fall auf Dürftigkeit hin. Konkreter ausgedrückt bedeutet Erlebnisunfähigkeit = Gefühlsimpotenz und wird oftmals durch starke Lebenserschütterungen hervorgerufen, die dann eine relativ schleichende Leere des Werterlebens zur Folge haben. In diesem Sinn darf auch von einer Gefühlslähmung gesprochen werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, ob diese Art Unfruchtbarkeit der Gefühlsimpotenz dem Betroffenen zum Bewusstsein kommt oder sie als solche gar nicht wahrgenommen wird, weil mit der Erlebnisfähigkeit auch jeglicher Erlebnisdrang bereits versandet ist. Menschen mit dieser radikalen Gleichgültigkeit wissen wenig, was es bedeutet, in Geschehnisse der Innerlichkeit von Werten ergriffen und zum konstruktiven Handeln aufgerufen zu werden. Hier tritt der Fall ein, dass diese Menschen alle Ereignisse, mögen sie im Glück, der Lust oder in Gefahr zur Zerstörung zwischenmenschlicher Beziehung geeignet sein, diese mit immer derselben Egalität an sich vorbeiziehen lassen. Die gesamte persönliche Innerlichkeit, die als Intelligenz, Gedächtnis, Bewusstsein bezeichnet werden darf - diese Seite, welche die Außenwelt mit dem Verstand objektiv zu erfassen scheint, bleibt völlig isoliert. Der Verstand nimmt zwar die Bilder aus der Umwelt wahr, verschafft sich jedoch keine gefühlsdurchdringenden Werte, welche nicht nur im bloßen Sehen, Denken, Hören gestaltet werden. Die Innerlichkeit des Erlebnisgrundes ist abgestorben.

Andererseits ist es auch möglich, dass zwar eine Unfähigkeit für Gefühlsregungen zugrunde liegt, dabei dennoch gerade so viel Bedürfnis nach Erleben ( als Drang ) vorliegt, das ausreicht, um gerade diese Unfähigkeit zu erfassen. In solchen Momenten der Wahrnehmung wird eine existentielle Bedürftigkeit bewusst, ein wahrgenommenes Gefühl der Gefühllosigkeit. Es sind Gefühle der Leere, keine Freude oder Schmerz zu empfinden, ohne Liebe zu sein, kein Glück zu haben, ohne innerliche Teilnahme oder eine Spur von Ergriffenheit zu erleben. Diese Formen von Gefühlsregungen sind für die Bearbeitung einer unteilbaren Objektivität wichtig. Wird dieser Mangel jedoch nicht eingestanden, wird er in Hilfsleidenschaften verkehrt. Ein Aspekt für einen Beweggrund dieser Art kann Kritik sein, welche sich grundsätzlich in abwertender Natur zeigt. Gleichsam kann Rache an den im Werterleben reicheren und fruchtbareren Mitmenschen genommen werden. Dieser Kausalität folgend, treten verständlicherweise eine Haltung grundsätzlicher Ironie und des Zynismus auf. Oft wird deutlich erkennbar, dass das Bewusstsein der eigenen Erlebnisunfähigkeit durch eine unglaubliche Arbeitsfülle, durch Haltsuchen an förmlichen Prinzipien ausgeglichen werden soll. Die Herabwertung anderer zeigt einen Geltungsdrang der auch das von Herzen kommende Mitgefühl klar ins Abseits drängt. Alle diese Unzulänglichkeiten dienen demonstrativ der Uninteressiertheit und Gleichgültigkeit. Wird dieser Mangel verdrängt und fortwährend verfälscht, ist die Folgerichtigkeit eine körperliche und geistige Erkrankung.

In der Betrachtung individueller Erlebnisfähigkeit, darf dennoch auf einen ganz wesentlichen Unterschied hingewiesen werden. Bei manchen Menschen reichen geringfügige Anlasse für Gefühlsregungen aus, die demnach in großer Häufigkeit entstehen. Andere hingegen bedürfen stärkere Anlasse, damit in ihnen Gefühlsregungen ausgelöst werden. Gemeint ist ein Grad von Leichtigkeit in der Entstehung von Gefühlsregungen, gemessen an der Größe des Anlasses. Einer gerät schon in Betrübnis bei einer nur flüchtigen Begrüßung, ein anderer erst beim Fehlen derselben. Bildhaft gesprochen kann die Ansprechbarkeit des Erlebens mit der Entzündbarkeit verschiedener Stoffe verglichen werden. Der eine kommt leicht, der andere schwer zum Brennen. Durchaus ist es möglich, dass der schwer entzündbare Stoff, erst einmal brennend, viel heftiger brennt als der leicht entzündbare. Aus diesem Grund ist es auch enorm wichtig, die Erlebnisfähigkeit und Ansprechbarkeit des Erlebens auseinander zu halten, um nicht Menschen als erlebnisunfähig einzuschätzen, die lediglich stärkerer Anlasse zur Auslösung des Erlebens bedürfen und dann um so stärker ergriffen sind.

Eine Sonderform erhöhter Gefühlserregbarkeit ist allgemein als Empfindsamkeit bekannt. Diese erhöhte Ansprechbarkeit des Erlebens im Gefühlsbereich des Gemüts reagiert auf feinste Wechsel von Eindrücken. Wir dürfen von einem Ausgeliefertsein an die auf das Gemüt wirkenden Eindrücke sprechen, mit der Schlussfolgerung reiner Passivität des Ergriffenwerdens. Die erfahrbaren Erlebnisse wirken lediglich nach innen, ohne kraftvolle aktive Antriebe nach außen. Die Gefühlsregungen werden nicht umgesetzt in Handlungen. Der Begriff Empfindsamkeit ist neben der erhöhten Ansprechbarkeit immer eine nach innen wirkende Zartheit des Erlebens und hat eine gewisse Widerstandslosigkeit den Eindrücken gegenüber. Auch diese zu erkennen und bewusst zu bearbeiten, führt zu positiver Veränderung.

Ein weiterer Gesichtspunkt für die Bestimmung des Erlebens ist der zentrale seelische Tiefgang. Wir können von Menschen mit tiefer und von solchen mit flacher seelischer Fähigkeit sprechen. Tiefe seelische Innerlichkeit wird zum gegenständlichen Horizont des eigenen Daseins und schafft einen Wertgrund auf dem der Mensch in seiner Existenz immer vor die Entscheidung gestellt wird: Entweder- Oder! Gerade diese Unbedingtheit fehlt Menschen flachen seelischen Erlebens. Ihre Werte können ausgewechselt werden, ohne das dabei eine innere Lücke zu hinterlassen. Ihr Wertegrund beruht gar nicht auf existenzielle Entscheidungen. Die Zentrierung auf einen Schwerpunkt der Innerlichkeit ist verlustig. Es zeigt sich eine gewisse Art von Flüchtigkeit und Zufälligkeit. Ein Charakter des Unbedingten ist nicht erkennbar. Daraus kann die Selbstverständlichkeit abgleitet werden, dass sie für Gefühlsregungen wie Liebe und Hass nicht fähig sind, weil dafür seelischer Tiefgang dient.

Ansprechbarkeit und Tiefe des Erlebens stehen zueinander in Abhängigkeit. Je tiefer eine Wertergriffenheit erlebt und verinnerlicht wird, desto geringer ist die Ansprechbarkeit des Erlebens. Verständlicherweise deshalb, weil ein außerordentlicher seelischer Verbrauch und eine Störung der persönlichen Wertebasis auftreten würde. Was folglich dann passiert, wenn durch eine hohe Ansprechbarkeit des Erlebens die ganze Persönlichkeit erfasst wird. Ein rascher Wechsel von Wertergriffenheiten in seiner ganzen Tiefe erfasst alle persönlichen Bereiche. Der Umkehrschluss besteht in der Tatsache, dass eine hohe Ansprechbarkeit des Erlebens mit geringer Tiefe verbunden ist. Das zeigt sich in momentanem Aufflammen und relativ schnellen nachklanglosen Verlöschen von Wertergriffenheiten. Umgangsprachig ist im Sinne flachen Erlebens wohl von Strohfeuer zu reden.

Es gibt auch Menschen, bei denen Gefühlsergriffenheiten verhältnismassig leicht zur Auslösung kommen und ihre Persönlichkeit in voller Tiefe ergriffen wird. Durch geringste Anlasse werden sie durch die Wogen eigener Gefühlsregungen emporgehoben oder verbrennen in dergestalt im eigenen Feuer der Gefühle. Deshalb ist es notwendig im Hinblick auf das, was sich als Welt des Erlebens in den Gefühlsregungen erschließt, eine gewisse Wertehierarchie als Ordnung zu kennen. Denn ohne Zweifel ist es doch so: wir brauchen das Unterscheidungsvermögen zwischen Bedeutung - und Sinnwerten. Wie auf der Oberfläche eines Wassers, sich der hohe Himmel tiefer spiegelt als die Bäume des nahen Ufers, so treten die Sinnwerte in der Tiefe unseres Seins als Lebens- und Bedeutungswerte hervor. Wir erkennen ein ganzheitliches Bild. In diesem Aspekt liegen die Erlebnisbereiche des Gemüts und des Gewissens, in denen die Sinnwerte verankert bleiben, viel tiefer als die Erlebnisbereiche mit den Lebens- und Bedeutungswerten. Strebungen und Gefühlsregungen, all diese Prozesse, Ereignisse, Akte verlaufen zwischen einer gegenständlichen Welt und einer individuellen ungegenständlich- inneren Mitte als Lebensträger. Erst in einem gewissenhaften Dialog können sie sich als vollkommene Einheit erweisen. Aus diesem Sinnverständnis wird die Verwirklichung des Über- sich- hinaus- seins zur individuellen Persönlichkeit verständlich. Kein Mensch kommt zur wahren Selbsterkenntnis, wenn er sich nicht hingibt an das, was er nicht ist. Seine Selbstverwirklichung wird erst lebendig, wenn er über- sich- hinaus zu gehen bereit ist, für das, was er zu glauben weiß, nicht ist. Zu anderen Menschen, zu Ideen, zu Werken, um sie zum Gegenstand alles Seienden, zum Inhalt seines Lebens zu machen. Zu Zweifel und Ängsten führen Worte, die nicht berechtigt sind und unser Leben unnötig belasten.

© dr. walkhoefer

05.September 2012

Essay d. Leopold Graf v. Lebertus

ETHIK  im neuen JAHRTAUSEND

Unvermeidbar besteht heute die Notwendigkeit- Brechungen und Irrita­tionen im Licht gesicherter Erkenntnisse zu beleuchten, welche sich aus der Reduktion des Christ­lichen aufs Ethische im Alltag ergeben.

 

Dem steht das Grundanliegen Jesu gegenüber, die reformatorische Gnaden- und Rechtferti­gungslehre. Das wichtigste Arbeitsinstrument für das Verständnis von Gnade im Protestantismus stellt die Psychologie zur Verfü­gung. Sie verdeutlicht klar, die geradezu dramatische Alterna­tive von Angst und Vertrauen in allen Fragen der Menschwerdung. Sie manifestiert die Ambivalenz aller ethischen Ide­alsetzungen im Status von Uneigentlichkeit und Entfremdung. Nichts macht den Menschen böser als der aus Strafangst und Autoritätsabhängigkeit geborene Zwang zum Guten.

 

Tiefsinnig betrachtet gibt es keine Tugenden. Schon Augustinus 3./4. Jh. n.Ch. hat das klar erkannt. Die so genannten Tugenden sind glänzende Laster. Die Lehre von den Tugenden, ist das Werk der Griechen und Römer. Diese steht im Zentrum der philosophischen Ethik des Abendlandes. Sie basiert auf der Grundannahme der Freiheit des Willens. Men­schen können das Gute tun, wenn sie nur wollen, wird behauptet. Für Tugenden gilt eine bestimmte Form des Guten so lange einzuüben, dass sie zu einer Haltung ´hexis` griechisch bzw. zu einem ´habitus` lateinisch wird. Das Gegenteil ist das Laster, als Gewöhnung an das Böse. Beide, Tugend wie Laster sind so etwas, wie die Endstationen eines lan­gen Weges, der willentlich die individuelle Freiheit außerordentlich reduziert. So ver­dienstvoll das eine, so schuldhaft das andere. Der Mensch ist ver­antwortlich für das, was er tut, und ebenso auch für das, was er ist. Gute Menschen handeln gut, so werden sie gut, indem sie Gutes tun; beim Bösen ebenso. Handel so, wie du willst, dass andere dich behandeln. Das ist das ganze Gesetz des Lebens, sagte Jesus.

 

Alles scheint einfach und klar. Wer immer das menschliche Leben moralisch und juristisch ordnen und verwalten möchte, wird diese Position des ethischen Optimis­mus favorisieren, und er wird auch von der Religion erwarten, dass sie ihn dabei unterstützt. Im Grunde sagt die Religion eigentlich nichts Neues, sollen doch die Erkenntnis wie das Tun des Guten, in die menschliche Vernunft hineingelegt sein. Die Vorstellung von Gott als dem obersten Gesetzgeber und Hüter der Gerechtigkeit überhöht die Welt der bürgerlichen Gesellschaft ins Unendliche. So wie sie deren Repräsentanten auf Thron und Altar mit göttlichem Glanz überstrahlt, mit einer Autorität umgibt, die ihnen natürlicherweise als Gabe gegeben wurde, doch selten zusteht. Kein Wunder, dass sich die Lehre von den Tugenden und Lastern in der Zeit der Renaissance und im Absolutismus des Barock der größten Beliebt­heit erfreute. Die Herrscher diktierten den Gläubigen den Glauben, und die Gläubigen stützten mit ihrem Glauben das Regiment der Herrschenden. Jede Gesetzesreligion ist staatstragend. Inzwi­schen offensichtlich auch das Christentum. Jedoch, kein Miss­verständnis kann größer sein!

 

Paradoxerweise kommen parallel zum Humanismus zu Beginn der Neuzeit, die Reformatoren mit ihren Bemühungen bleibend zu Wort. Der ursprüngliche Sinn der Botschaft Jesu nach mehr als 1300 Jahren der Übermalung und Verfälschung, findet wieder Geltung. Der Sohn Gottes war kein Philosoph. Seine Gesprächspartner waren nicht die Pythagoreer, Platoniker, Aristoteliker, Epikureer oder Stoiker der griechisch-römischen Antike. Er sah ganz einfach, was mit der ethischen Weltauffassung notwendig verbunden war. Sie führte dahin, die Guten von den Bösen streng zu unterscheiden. Speziell über die Gesetzesbrecher nach Wortlaut des Gesetzes- ein gerechtes Urteil zu ihrer Bestrafung zu sprechen. So wird die geltende Verfassung bestätigt. Für Menschen ist das keine Hilfe, über die man im Namen Gottes, oder des Volkes zu Gericht sitzt. Damit tut man Gott nicht anders als den Menschen bitter unrecht. Für Jesus war Gott alles andere als ein oberster Gesetzgeber, als vielmehr die Personifikation des sittlich und juristisch Allgemeinen. Keinesfalls als Projektionsgestalt der Rachephan­tasien aller Strafversessenen. Vielmehr sah er in seinem himmlischen Vater, jenseits der Vielfalt aller möglichen Gesetze und Verordnungen, ein absolutes Gegenüber.  

Absolut im Vertrauen zu ihm, in voller Gewissheit, als Einzelner gemocht und geliebt zu werden. Niemals glaubte Jesus, Gott würde einen Menschen fallen lassen und sich nicht mehr für ihn zu interessieren. Im Gegenteil würde er dem Verlore­nen und Verlaufenen nachgehen und ihn zurückzuholen suchen. Wenn Gott so tut, welch ein Recht käme dann Menschen zu, einander abzuurteilen, ja zu verurteilen? Was macht man da aus Gott! Was macht man da ein Christ mit seinem Nächsten!

 

Gibt es überhaupt einen Menschen, der aus freien Stücken etwas Böses machen will? Wo immer ein Mensch etwas tut, das nach der Nomenklatur der Ethik als böse bezeichnet werden muss, handelt es sich um das Symptom einer seelischen Erkrankung, der man nicht durch Zurückweisen und Strafen beikommt, sondern nur durch Nach­sicht und Verstehen. Helfen und heilen, nicht richten und aus­grenzen verband sich für Jesus mit dem Blick auf die Wirklichkeit des Menschen und mit dem Blick zu der reinen Güte Gottes.

 

Der Mensch ist gerade nicht frei, das Gute zu tun, lehrten deshalb (im Rückblick auf die Paulusbriefe und auf Augustinus) die Reforma­toren. Alle Gesetze können dir nur sagen, was du tun sollst, sie geben dir keine Kraft dazu, schrieb Martin Luther 1520 in seinem Traktat ´Von der Freiheit eines Christenmenschen`. Ein Mensch kann nur so gut sein, wie er an Güte erfahren hat. Wenn er zum Guten fähig ist, so einzig allein aus Gnade. Das Ver­trauen, ein Glauben daran, im Absoluten mit seiner Existenz berechtigt, und zugelassen zu sein, ermöglicht es ihm, mit sich selbst zusammenzuwachsen. Sich zu befreien zu lassen von Ängsten und von Minderwertigkeitsgefühlen aller Art. Zu sich selbst zu finden. Nur ein Mensch, der mit sich selbst im Einklang ist, besitzt die Freiheit, das Gute das er will, tatsächlich wahrhaftig auch zu tun. Alle Tugen­den, wie die Ethik sie versteht, bilden insofern einen Ausdruck der Selbstidentität des Individuums, doch keine noch so große Anstrengung bringt einen Menschen dahin, sich selbst zu akzeptieren, sich selbst zu mögen. Erst das Vertrauen in die unbedingte Liebe eines anderen, vermag ihm seine Authentizität zu schenken, die es ihm ermöglicht, gut zu sein.

 

Was damit zu Ende geht, ist die gesamte Tugendlehre einer rein humanistischen Ethik, ist der ethische Optimismus in der Anthro­pologie, ist jede Form einer bloßen Gesetzesfrömmigkeit. Endgül­tig erscheint die Frage zu einfach, wie man bewertet, was Men­schen tun, es gilt vielmehr, die Menschen aus ihren Widersprüchen zu erlösen. Die Sache Jesu »christlich« auszulegen, bedeutet, eine therapeutische Sicht auf den Menschen einzunehmen. Wenn man deshalb, wie es in der kirchlichen Theologie allenthalben geschieht, Glaube, Hoffnung und Liebe als die ersten drei Tugenden, dem überlieferten Katalog von Tugenden in der Ethik zuordnet, so kommt es entscheidend darauf an zu verdeut­lichen, dass diese drei christlichen Grundhaltungen eben keine lügenden in moralischem Sinne bilden, sondern die Basisbedingungen eines glücklich gelingenden Daseins darstellen. Ein unbedingtes Vertrauen, der Glaube bewahrt vor dem Versinken in Abgründe der Angst. Ein Sich- Ausspannen im unendlichen Hoffen, hebt hinweg über die trostlosen Absurditäten des Endlichen. Nur ein Glauben und Hoffen an Liebe und Liebe lässt eine Persönlichkeit reifen, die in ihrer Liebenswürdig­keit der Liebe fähig ist. Nichts von alledem ist mit Willensanstren­gungen als eine sittliche Tugend herbei zu zwingen.

 

Es lässt sich nur als ein nicht selber gemachtes Geschenk in Empfang nehmen; und das setzt nicht mehr und nicht weniger, den kom­pletten Verzicht auf jegliches Denken in den Begriffen von Leis­tung und Belohnung, von Versagen und Bestrafen, voraus. Dann wird der in Autoritätsabhängigkeit geborene Zwang zum Guten besiegt. Diese entschieden religiöse Dimension, des Guten im Men­schen wird mittels der Tugen­den im Fokus auf Praktiken bei Bibelstudien deutlich, in denen auch gegenwärtig Glaube, Liebe und Hoff­nung an die Anlehnung der Perikopenordnung (griechisch περικοπή = abgegrenzter Bereich, Zusammenstellung von Bibeltexten, die zur regelmäßigen Lesung kommen) deutlich. Sie haben mit dem Auftreten des Täufers und der Ankündigung des Jüngsten Gerichts enorme Kraft.

© 2008- LTF

pd prof. walkhoefer

Erstverkaufstag 15.11. 2014
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